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No-LIMIT-Rooms 08
Datum: 29.04.2023, Kategorien: Nicht festgelegt,
... wie es in Deutschland so war. Als die Besuchszeit anbrach, endeten unsere Gespräche. Nun durften die Väter die Mütter und ihre Kinder besuchen. Sogar im Zimmer. Dieses Krankenhaus war schon sehr progressiv, wie ich nebenbei erfuhr. In anderen Häusern musste man sich im Treppenhaus treffen, da hatten Besucher keinen Zutritt zu den Krankenzimmern. Da Doktor Walaschenko davon gesprochen hatte, meinen Freund anzurufen, war ich innerlich sehr angespannt und neugierig, ob auch ich Besuch erhielt. Und wie er aussah. Wer war der Vater meines Kindes? Kurz nach 14 Uhr betrat ein gut gekleideter Mann im Anzug das Krankenzimmer, blickte sich um, und steuerte dann zielstrebig auf mich zu. Er mochte etwa 40 Jahre alt sein, trug einen Kinnbart, und hatte stechend, dunkle Augen. Sein Mund umspielte ein Lächeln, welches seine Augen jedoch nicht erreichte. Instinktiv fröstelte es mich. „Ah, Nadeschda, Dir geht es gut. Ich hatte mir gestern schon Sorgen gemacht. Aber nun ist ja alles gut." Er beugte sich über mich und gab mir zur Begrüßung die in Russland üblichen Wangenküsse, welche ich verwirrt über mich ergehen ließ. Nachdenklich sah ich ihn an. Hatte ich ihn schon mal gesehen? Doch so sehr ich mich auch anstrengte, konnte ich mich an nichts vor dem heutigen Aufwachen erinnern. „Verzeihung, kenne ich Sie?" Der Mann blickte einen Moment lang verunsichert, dann begann er kurz aufzulachen, als hätte ich einen überraschenden Witz gemacht. „Verzeih, der Doc sagte ...
... schon, dass Du eine temporäre Erinnerungslücke hast. Aber dass Du mich nicht wiedererkennst ..." Nun betrachtete er mich sehr aufmerksam und nachdenklich. „Du kannst dich an rein gar nichts erinnern?" „Nein. Nicht einmal an meinen Namen!" „Dann will ich dir mal helfen. Dein echter Name lautet Nadine Zamora und Du bist Deutsche. Und ich bin Yuri. Seit knapp sechs Monaten lebst Du bei mir." „Dann sind Sie nicht der Vater meiner Tochter?", schloss ich messerscharf. Sein Blick wurde seltsam, sein Mundwinkel verzog sich erneut zu der Andeutung eines Lächelns, so, als würde er sich innerlich köstlich über mich amüsieren. „Nein, das bin ich nicht. Der Vater Deiner Tochter ist tot." „Oh", war alles, was mir im Moment dazu einfiel. Ich fühlte ein schwaches Bedauern, aber keinen Schmerz. Noch immer keine Spur einer Erinnerung. Aufmerksam musterte ich ihn genauer. Schätzte ab, ob er vielleicht mein Liebhaber war. Zweifellos war er männlich, hatte ein starkes Kinn, war schlank, und hatte sehr gepflegte, allerdings auch sehr kräftige Hände, an denen zwei goldene Ringe glänzten. Unter seinem Hemd zeichneten sich deutlich Muskeln ab. Dieser Mann betrieb Kraftsport, aber arbeitete nicht mit seinen Händen. Der Anzug sah nicht billig aus. Nun konnte ich an seinem Hals auch den Teil eines Tattoos erkennen, eine Schlange, so wie es aussah. Nein, er sah nicht abstoßend aus, schien aber auch nicht mein Geschmack zu sein, ganz davon ab, dass er mindestens 15 Jahre älter ...