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Zum Kruzifix
Datum: 22.05.2023, Kategorien: Nicht festgelegt,
... hatten wohl abgewartet. Sie hatten keine Angst vor mir, selbst bewaffnet nicht. «Du Schlampe» keuchte er, hieb mir mit der Faust über den Kopf und grabbelte durch meine todesverzweifelt verklammerten Finger nach dem Messergriff. Da blitzte die Taschenlampe auf. Die Taschenlampe. Und ich weiß bis heute nicht wer es war. «Verflukt. Die Bullen.» rief Ubuntus Bruder und das war seine erste Äußerung heute. Nicht einmal gestöhnt hatte er, als ich es ihm besorgt hatte. Alle rannten davon. Grell war es. Ich zog die Strumpfhose hoch. Dankte, wem auch immer. Und rannte hinterher. Floh das Licht. Ich erwischte einen von ihnen an einem Baum horchend. Ich rammte ihm das Messer so fest ich nur konnte mit einem Kampfschrei, einer Walküre würdig, in die Schulter, nahe der Wirbelsäule. Er ging zu Boden. Sein Kopf drehte sich dabei und ich sah den schwarzen Bart, und seine brunnentiefen Augen sah ich nicht. Ich ließ das Messer stecken und rannte zur Straße. Ich hatte kein Handy mehr, das war in der ...
... Tasche auf meinem Fahrrad geblieben. Ich hatte solche Angst. Der Stadtforst, der am Tag voller Licht und kiefernzapfensuchender Kinder war, die zum Tierpark strebten, nahm sich aus wie ein Pfuhl aus Horror, Gottlosigkeit und Schmerz. Ich heulte und greinte und dann wieder ermahnte ich mich, muchsmäuschenstill zu sein. «Sei muchsmäuschenstill. Wie eine muchsmäuschenstille Maus» raunte ich mir zu. Ich war bereits im Delirium. «Nein, nur nach Hause.» beschied ich dem Fahrer des Pick-up-Trucks an der Straße. «Aber...« -- «NEIN» schrie ich und stieg ein und schlug die Autotür hinter mir zu. Er fuhr nach Hause. Woher er meine Adresse kannte, das fiel mir gar nicht ein. Das Küchenfenster war dunkel. Ich stolperte in den Flur. Ich kniete mich hin auf die Fliesen und kotzte. Oben ging Licht an, Schritte polterten die Treppen hinunter. «Christa? Christa, du... Oh Himmel.» Mein Mann stand vor mir. In Socken. Blickte auf mich herab. Ich flüsterte: «Hol es aus meinem Arsch. Bitte. Es tut so weh.»