1. Gut Jaspis (Teil 02)


    Datum: 12.09.2024, Kategorien: Erotische Verbindungen,

    ... Unterstützung erkenntlich zu zeigen. Also sollte ich da wohl auch allein aus Anstand auftauchen, damit die Mühe, die sich für mich gemacht wurde, nicht hinterher umsonst gewesen ist."
    
    Ich wusste, dass es gute Gründe gehabt hatte, dass ich meinen Eltern vorsichtshalber nicht erzählt hatte, dass diese kleine Abschiedsparty bereits vor ein paar Tagen spontan an einem Donnerstagnachmittag stattgefunden und ich mich schon zu diesem Zeitpunkt von allen wichtigen Leuten verabschiedet hatte. Auf meine Intuition konnte ich mich in den meisten Fällen einfach verlassen. Ich war ausgesprochen zufrieden mit der Ausführung meiner Pläne und setzte auch jetzt wieder auf das moralische Empfinden meiner Eltern, was den Umgang mit anderen Leuten anging.
    
    Die beiden würden aus lauter Pflichtgefühl heraus sogar mit Fieber und Schüttelfrost einer Einladung nachgehen, nur um niemandem vermeintlich vor den Kopf zu stoßen oder das Risiko einzugehen, dass sich in ihrer Abwesenheit Gerüchte verbreiten könnten, warum sie der Feierlichkeit wohl wirklich fernblieben. Ein Ehestreit? Ein Todesfall in der Familie? Die Tochter ungewollt schwanger? Alles war in ihren Augen denkbar und nicht unwahrscheinlich. Nur nicht die Möglichkeit, dass die Leute vielleicht gar kein Wort über unsere Familie verlieren würden und die Absage aufgrund von Krankheit einfach als genau das, was sie war, akzeptiert werden würde.
    
    Für einen kurzen Moment herrschte Stille. Meine Mutter warf meinem Vater einen unsicheren Blick ...
    ... zu. Dieser zeigte jedoch weiterhin keinerlei Regung und aß weiter sein Essen. Also wandte meine Mutter erneut das Wort an mich: „Ja also klar. Natürlich können wir das so machen, Lilly. Das wäre ja tatsächlich eine Schande für die Leute, wenn sie extra etwas für dich vorbereitet haben und du dann nicht dort erscheinst. Du willst ja schließlich bei den Menschen, die dich so unterstützt und deinen Weg gefördert haben, keinen schlechten Geschmack im Mund hinterlassen, ehe du von dannen ziehst.
    
    Ich koche dann das Essen für 13:00 Uhr, wenn dir das passt. Ich habe auch noch die ein oder andere gute Flasche Wein im Keller, die ich dir mitgeben kann. Dann stehst auch du nicht mit leeren Händen da. Ich denke das wäre angebracht. Ludwig, das ist doch auch für dich sicher in Ordnung, oder?" Mein Vater hörte auf zu kauen, schluckte den letzten Bissen seines Essens herunter und sagte, ohne den Blick zu heben, an mich gerichtet: „Solange du die zwei Flaschen Wein nicht allein trinkst und zur üblichen Zeit zurück bist, sollte dem nichts im Wege stehen. Ich esse eh lieber mittags. Liegt nicht so schwer im Magen."
    
    Natürlich. Zur üblichen Zeit. Mit 22 Jahren um 22:00 Uhr zu Hause sein- was auch sonst? Vor Wut und Enttäuschung stiegen mir leicht die Tränen in die Augen. Aus welchen Gründen auch immer, hatte ich tatsächlich die Hoffnung gehegt, dass mein Vater wenigstens zu diesem Anlass eine Ausnahme machen würde. Immerhin war ich mehr als volljährig und zwei weitere Tage später zog ich ...
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