1. Erregung


    Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif

    ... Latte.
    
    Wie ein Teenager.
    
    Wie ein Idiot.
    
    Sie wusste es.
    
    Natürlich.
    
    Sie wusste es genau.
    
    Das war ihre Rache.
    
    Oder ihre Gabe.
    
    Ich denke oft daran zurück.
    
    Nicht an den Sex selbst.
    
    Nicht an die Details.
    
    Sondern an das Dazwischen.
    
    An das Spiel.
    
    An das Wissen, das zwischen uns lag, wie eine Haut, eine zweite Haut, die immer feucht blieb, immer gespannt.
    
    Was sagte Beate noch?
    
    „Sie wird dich mögen.
    
    Ihr seid euch ähnlicher, als du glaubst."
    
    Das sagte sie.
    
    Beim vorletzten Mal.
    
    Ich zog mich gerade an.
    
    Beate lag nackt auf dem Teppich, der Rücken gerötet vom Reiben, die Schenkel noch gespreizt.
    
    Sie rauchte.
    
    Blies in den Raum.
    
    Sah mich nicht an.
    
    „Ihr seid euch ähnlich", sagte sie.
    
    Ich fragte: „Wer?"
    
    Und sie sagte nur: „Claudia."
    
    Und nun ist Beate tot.
    
    Und Claudia lebt.
    
    Und ich -
    
    ich frage mich, was ich wirklich war.
    
    Ein Mittel.
    
    Ein Spiegel.
    
    Ein Spiel.
    
    Ich wünschte, ich hätte es nie gewusst.
    
    Aber ich bin froh, dass ich es ahne.
    
    Denn manchmal reicht das.
    
    Erinnerungen?
    
    Sie war plötzlich neben mir, wortlos aufgetaucht wie ein Echo, als ich gerade das Glas abstellte, aus dem ich die ganze Zeit nicht wirklich getrunken hatte. Und dennoch war es leer geworden?
    
    Ein Fensterflügel stand offen, der Vorhang bewegte sich, eine Nachtmücke flog gegen die Scheibe.
    
    Und sie stand da.
    
    Claudia.
    
    Im mattschwarzen Kleid, eng, glänzend, das Licht spiegelte sich an ihren Hüften.
    
    Kein ...
    ... Schmuck außer einem silbernen Ring, zu groß für ihre Hand, zu schwer für ihre Finger.
    
    „Du bist geblieben", sagte sie, ohne mich anzusehen.
    
    Ich nickte.
    
    Sie schloss das Fenster.
    
    Langsam.
    
    Als müsste sie sich zuerst erinnern, wie das ging.
    
    „Beate..." begann ich.
    
    Sie unterbrach mich: „Wir haben alle über sie gesprochen. Jetzt reicht es."
    
    Ich schwieg.
    
    Es war keine Einladung zur Erinnerung.
    
    Es war ein Befehl zum Vergessen.
    
    Sie ging zum Buffet, goss sich Sekt nach, ließ den Blick über die Gäste schweifen.
    
    „Sie kannte viele", sagte sie beiläufig.
    
    Ich: „Sie hatte viele."
    
    Claudia lachte leise.
    
    „Jeden, der hier ist, mindestens einmal."
    
    „Oder jede", sagte ich.
    
    Sie schwieg, nur der Winkel ihres Mundes zuckte.
    
    Dann: „Du warst ja lange treu. Für deine Verhältnisse."
    
    „Ich dachte, ich wäre ein Experiment", sagte ich.
    
    „Nein", sagte sie. „Ein Vergleich."
    
    Sie sah mich an.
    
    Ein fester Blick, zu lang für Gleichgültigkeit, zu kurz für Zärtlichkeit.
    
    „Sie mochte dich", sagte sie.
    
    „Und du?" fragte ich.
    
    „Ich mag keine Nachrufe", sagte sie.
    
    Und leckte sich ein Zitronenkorn vom Handrücken.
    
    Wir gingen in den kleinen Wintergarten, niemand war dort.
    
    Sie setzte sich auf die Kante des Tisches, die Beine überschlagen, zeigte mehr Bein, als ihr noch zustand, und wusste es. Aber weniger Bein, als ich wollte und doch zu viele Bein, als es sich in solch einer Situation geziemte.
    
    „Du bist wütend", sagte sie.
    
    „Nein", sagte ich. „Nur ...
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