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Erregung
Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif
... erstaunt." „Worüber?" „Dass du noch immer provozierst." Sie zog langsam den Träger ihres Kleides vom Schulterknochen. „Ich? Ich bin ganz brav." „Wie eine Kupplerin", sagte ich. „Wie eine Kurtisane", sagte sie. Es entstand eine Pause. Dann: „Und was wäre dir lieber?" „Ich weiß es nicht. Ich mag die Wahrheit nicht mehr." „Beate auch nicht", sagte sie. „Deshalb log sie so charmant." Ich erinnerte mich an Beates Lügen - wer sie alles begehrt hatte, wie oft, mit welchem Tierkreiszeichen. Ich war ihr ein wilder Tiger im pflustrigen Bett, nur keine Sphinx aus dem Kunstkabinett... aber wer kannte denn schon heutzutage Jacque Brel, geschweige denn Gisela May. „Sie war ein Tier", sagte ich statt dessen, das mit dem Tiger und dem Löwen und vor allem der Sphinx wie ein nicht gesprochenes Rätsel im eigenen Raum stehen lassend. Wobei das mit dem Stehen und lassen schon immer näher an die Wahrheit herankam. Und ewig lockt das Weib, wäre viel zu einfach, es so zu benennen. Auch wenn ich es so empfand, intensiver werdend, balzend in Form von Worten und wohl auch Taten. Claudia: „Und du warst ihr Zirkusdirektor." Ich lachte. „Sie hat dir alles erzählt?" „Mehr, als mir lieb war. Weniger, als du denkst." „Also das Übliche." „Nein", sagte sie, „nicht das Übliche. Sie sprach nie über ihre Tochter." Ich horchte auf. Warum das, warum der Schwank, der Wechsel in ihrer Stimme und auch Stimmung. Was wollte sie mir sagen? „Warum ...
... auch?" „Weil sie ihr zu ähnlich wurde." „Oder war." „Oder noch wird." Sie lehnte sich zurück. „Apfel und Stamm", sagte sie. „Ich habe sie gesehen, heute. Sie sieht dich an wie..." Ich wartete. „...wie Beate dich ansah, damals." Ich: „Zu viel Fantasie, Claudia." Sie: „Zu wenig Schuldgefühl." Ich fühlte etwas in mir aufsteigen - keine Erregung, nicht direkt. Etwas Anderes. Diese Mischung aus Eitelkeit, Angst, Spieltrieb. Lust, Begehrend und doch noch verballhornt von Schüchternheit und etwas, das es in mir schon lange nicht mehr zu fühlen gegeben hatte: So etwas wie Anstand und Moral oder aber Gepflogenheit. Jetzt aber im Sinne, von das aber ziert sich nicht, das gepflegt sich nicht - oder wie heißt denn da die Nennform davon. Ich sagte: „Du willst mir etwas sagen." Sie: „Ich sage nichts. Ich andeute. Das reicht doch meistens." Dann stand sie auf. Diese Andeuterin, diese... die ich ja schon kannte. Nichts sagen aber mehr andeuten. Oder aber nicht nackt sein, aber durch ihre Kleid mehr zeigen, als man verbergen konnte. Mehr in den Gedanken erregen, als in einer Etage tiefer sich heute so rasch erregten konnte, als damals. Nahm ihr Glas. Stellte sich vor mich. „Sie hat dich nicht geliebt. Aber sie hat dich gern gehabt. Wie ein gefährliches Möbelstück. Das man nur hervorholt, wenn Gäste gehen." Ich: „Wie schmeichelhaft." „Wie wahr." Sie streifte mit dem Finger meine Krawatte. „Damals hast du mich so ...