1. Erregung


    Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif

    ... gebunden."
    
    „Mit dieser Krawatte?"
    
    „Mit einem Blick."
    
    „Und jetzt?"
    
    „Jetzt bindest du niemanden mehr."
    
    Ich trat näher.
    
    Nur einen halben Schritt.
    
    „Und wenn doch?"
    
    „Dann wird es gefährlich."
    
    „Für wen?"
    
    „Für die Tochter", sagte sie.
    
    Und ging.
    
    Ich blieb stehen.
    
    Allein.
    
    Der Träger ihres Kleides lag wie zufällig auf dem Tisch.
    
    Ein dunkler Streifen, schräg über das Holz gelegt.
    
    Wie ein Zeichen.
    
    Wie eine Spur.
    
    Wie ein Satz, den niemand zu Ende schreibt.
    
    Eine Krawatte, die man bindet. Oder doch fesselt? Wie konnte ich nur auf den Vergleich kommen. Warum drängte er sich auf. Weil sie es wusste oder ahnte oder Beate wirklich mehr geplaudert hatte, als mir peinlich werden konnte. Oder aber - reiner Zufall, den es ja mathematisch gar nicht geben sollte. Purer Zufall, das klang schon besser, auch wenn er es nicht sein konnte.
    
    Ich wusste ja, warum ich Krawatten hasste...
    
    Errötend folgt er ihren Spuren...
    
    Natürlich folgte ich ihr.
    
    Ich hätte sagen können, dass ich nur aufs Klo müsse. Auch wenn man in edlerer Ausdrucksform ja von der Toilette sprach oder noch edler vom Badezimmer, um dann überrascht zu sein, dass man eben das nicht vorfände, was man benötigte... aber... Männer täten sich dabei leichter, ohne auf das eingehen zu wollen. Nicht jetzt, das wäre schon wieder eine Ablenkung vom Pfad der Tugend!
    
    Ich hätte sagen können, dass ich die Orientierung verloren hatte, mich im Haus geirrt, dass ich einen Moment Ruhe ...
    ... suchte, einen Moment für mich.
    
    Ich sagte nichts.
    
    Ich folgte ihr.
    
    Der Jüngling zieht mit leichtem Sinn
    
    Ins Leben ein, mit frohem Mut,
    
    Sein Streben geht nach Wonne hin,=> Diese Wonne wollt ich auch erleben, süße Liebeswonnen mit ihr und anderen
    
    Er liebt das Wechseln und die Glut =>oh ja, das Wechseln, das liebt' ich auch. Den Wechsel an Frauen, an Geliebten und auch der Stellung nicht nur eine, die ich bevorzugte. Die Botschaft hört ich wohl!
    
    Errötend folgt er ihren Spuren,
    
    Und sieht ihr frohes Bildnis fliehn;
    
    Wie von des Jägers schnellen Spuren
    
    Das scheue Wild, das Hügelgrün.
    
    Sie kehrt sich um, mit züchtgen Sitten,=> züchtig, züchtigen und sittenlos, das traf es eher, konnt ich nur lächeln
    
    Und hält den Liebling fest umfangen, => das kommt mir schon entgegen
    
    Die erste Regung süßen Bittens=> und ob und was sich regt, sie weiß es, kennt es, liebte es, ja verlangt es auch
    
    Wird allmählich zum Verlangen.=> ja hier eben, die Regung des Verlangens, zum Verlangen hin, zur Vollendung strebend... wer immer strebend sich bemüht, den kann sie gut erlösen... ich weiß, nicht ganz der Faust, aber...
    
    Sie ging langsam, aber bestimmt, diesen Gang entlang, mit dem leicht übertriebenen Hüftschwung, den nur Frauen über fünfzig sich erlauben, wenn sie wissen, dass man ihnen noch immer nachsieht. Dass man dann erst recht dorthin sieht. Auf jenen Schwung, auf jenes Kreisen, das ersehnte Kreischen, das daraus erwachen mag!
    
    Nicht wie früher.
    
    Nicht mit ...
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