1. Erregung


    Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif

    ... massierte, innen, mit Muskeln, die sich zogen und drückten und zitterten, wie ein Mund, der nicht sprechen will, sondern trinken, schlucken, fassen.
    
    Es schmatzte. Es klatschte. Es war ein feuchtes, tiefes, dumpfes Geräusch, das sich nicht mehr als Geräusch begriff, sondern als Wahrheit, als Beweis. Es roch. Es dampfte. Es war heiß. Zwischen uns. In ihr. An mir. Die Hitze stieg auf. Die Hitze drang aus ihr, aus mir, aus dem Akt selbst, der keiner mehr war, sondern eine Auflösung, eine völlige Auslöschung des Ichs. Nur noch Trieb. Nur noch Masse. Nur noch Drängen. Ich verströmte mich. In ihr, nass und heftig, zuckend und pumpend. Und wie ich kam. Nicht weil ich wollte. Weil ich nicht mehr anders konnte.
    
    Dann Stille.
    
    Die Stimmen entfernten sich.
    
    Wir atmeten schwer.
    
    Ich war noch in ihr.
    
    Sie zitterte.
    
    „Das war krank", sagte ich.
    
    „Das war echt", sagte sie.
    
    Ich zog mich zurück, machte mich zu.
    
    Sie wischte sich mit einem Gästetuch ab, warf es in den Wäschekorb.
    
    „Wie hygienisch", sagte ich.
    
    „Wie symbolisch", sagte sie.
    
    Dann öffnete sie die Tür.
    
    Trat hinaus, ohne sich umzudrehen.
    
    Ich wartete zehn Sekunden.
    
    Zwanzig.
    
    Ging hinaus.
    
    Und da stand sie.
    
    Beates Tochter.
    
    An der Wand lehnend, mit einem Glas Wein in der Hand, als wäre sie schon immer dort gewesen.
    
    Sie sah mich an.
    
    Nicht prüfend.
    
    Nicht erschrocken.
    
    Neugierig.
    
    Oder angewidert.
    
    Oder beides.
    
    Jedenfalls wissend, was wir getan hatten.
    
    Ich sagte ...
    ... nichts.
    
    Ich lächelte.
    
    Ein Fehler.
    
    Sie trat einen Schritt zur Seite.
    
    Gab den Weg frei.
    
    Ich ging an ihr vorbei.
    
    Langsam.
    
    Spürte ihren Blick im Rücken.
    
    „Sie haben schöne Schuhe", sagte sie.
    
    Ich drehte mich nicht um.
    
    „Das hatte Mama auch immer gesagt."
    
    Ich wusste nicht, ob sie mich meinte.
    
    Ob sie Beate meinte.
    
    Ob sie sich meinte.
    
    Ich kehrte zurück.
    
    In den Salon.
    
    Setzte mich wieder in den Ohrensessel.
    
    Der Sessel, der alles wusste.
    
    Der mich kannte.
    
    Der mich hielt.
    
    Ich atmete.
    
    Ein.
    
    Aus.
    
    Noch einmal.
    
    Weniger als Mensch.
    
    Mehr als Tier.
    
    Noch mehr als Beobachter.
    
    Und ich dachte:
    
    Ich war nie ihr Geliebter.
    
    Ich war ihre Episode.
    
    Ihre Figur.
    
    Ihr Requisit.
    
    Claudia erschien wieder, trank mit jemandem.
    
    Lachte.
    
    Sie musste wohl duften oder riechen oder aber meinen Duft in ihr zur Schau stellen, schossen mir heiße Gedanken durch den Kopf.
    
    Stellte sich neben Beates Tochter.
    
    Sie flüsterten.
    
    Oder taten so.
    
    Ich wusste nicht mehr, wer ich war.
    
    Aber ich wusste, wo ich saß.
    
    Im Sessel.
    
    Mit dem Blick auf das ganze Theater.
    
    Die Bühne.
    
    Die Requisiten.
    
    Die Spielerinnen. Die ganze Welt ist Bühne, wie war! Sein Leben lang spielt einer manche Rollen!
    
    Und ich wusste:
    
    Ich war nicht der Erste.
    
    Nicht der Letzte.
    
    Nur der, der geblieben war.
    
    Der, der sah.
    
    Der, der roch.
    
    Der, der wusste.
    
    Ich sah sie sofort, obwohl ich sie zunächst nicht erkannte.
    
    Zwei Gestalten, zu ...
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