1. Erregung


    Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif

    ... ausladend für diese viel zu schmal geschnittenen Abendkleider, die nur funktionieren, wenn der Körper mitspielt, was er längst nicht mehr tat.
    
    Sie standen da, mit vollem Haar, mit zu viel Schminke, mit zu viel Brust, mit zu wenig Distanz, lachten zu laut, tranken zu rasch, hielten ihre Gläser wie Souffleusen, die sich verspätet haben.
    
    Und doch: ich kannte sie.
    
    Oder besser gesagt - ich hatte sie gekannt.
    
    Gekannt im biblischen Sinn, wie man so gern sagt, obwohl das Bibelwort bei diesen beiden nichts als ironisch wäre.
    
    Die eine - Gerda, hieß sie nicht Gerda? - mit den kleinen Zähnen, der großen Klappe, dem Hang zu Rollkragenpullis, selbst im Hochsommer. Pullis - prall gefüllt, Kamelhaar, wie wir zu scherzen pflegten, wo man doch so deutlich ihre stets mit BH umfangenen Brüste sehen konnte. Ein kleines Hindernis mehr, das verlocken vermochte.
    
    Die andere - Sabine? Vielleicht auch Katrin? - immer ein bisschen langsamer, ein bisschen glotzäugiger, dafür mit der größeren Bereitschaft, alles, wirklich alles, mitzumachen, solange man ihr sagte, dass sie schön sei.
    
    Und ich hatte es gesagt.
    
    Natürlich hatte ich es gesagt.
    
    Nicht nur einmal, sondern... es lag wahrlich auf der Zunge, soferne die nicht gerade an der anderen leckte!
    
    Ich war jung, ich war hungrig, ich war billig zu haben - sie auch. Allzeit bereit!
    
    Es war nach einer Premiere.
    
    Ich erinnere mich nicht an das Stück.
    
    Irgendein absurdes Theater, Ionesco, oder vielleicht Beckett, vielleicht ...
    ... auch nur irgendein österreichischer Nachwuchsdramatiker, der den Monolog nicht beherrschte, aber dafür gerne schrie. Schrie, nicht schrieb, kein Schreibfehler also, auch wenn das ganze Stück als solches zu bewerten gewesen wäre. Aber was tat man denn nicht unter dem Vorwand der Kulturbeflissenheit heraus. Die Belohnung wartete ja zumeist danach, Schauspielerinnennachwuchs, Frischfleisch, Frischblut statt Frischmuth war die Devise.
    
    Wir standen unter dem Vordach des Theaters, es regnete, es regnete wie in einem französischen Film, die Tropfen glänzten auf den runden Schultern der beiden, auf dem Kunstleder ihrer Clutches, auf ihren Nasen.
    
    Sie kicherten.
    
    Ich sagte: „Ich habe ein Taxi gerufen."
    
    Was gelogen war.
    
    Das Taxi kam einfach.
    
    Und sie stiegen ein.
    
    Beide.
    
    Natürlich.
    
    Ich saß in der Mitte.
    
    Sie links und rechts von mir.
    
    Die eine zog die Schuhe aus.
    
    Die andere den Träger zur Seite.
    
    Der Fahrer sah nicht hin.
    
    Oder tat so.
    
    Ich wollte protestieren.
    
    Tat es nicht.
    
    Ich sagte: „Wir sind erwachsen."
    
    Gerda - jetzt fiel es mir wieder ein, Gerda war es - lachte, beugte sich vor, löste meinen Gürtel.
    
    Sabine (oder Katrin?) hielt meine Hand.
    
    Ich war noch feucht vom Regen.
    
    Sie war schon feucht von sich.
    
    Und dann ging alles so schnell.
    
    Nicht romantisch.
    
    Nicht erotisch im eigentlichen Sinn.
    
    Aber erregend, weil es so schamlos war.
    
    So selbstverständlich.
    
    Gerda nahm mich in den Mund, während Sabine meine Finger in sich ...
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