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Erregung
Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif
... Küche genommen. Im Stehen. Zwischen Messerblock und Wasserkocher. Sie hat's mir erzählt. Zweimal. Einmal mit Tränen. Einmal mit Stolz." Oder: „Der wollte mich. Aber ich war ihm zu wenig heilig." Oder: „Den kriegt ihr nie. Der kriegt nur, was er sich selber hasst." Und die andere, diese Statue, diese unberührbare Götze aus Kälte und Grammatik? Was sagt die? Nichts, natürlich. Sie nickt. Wortlos. Verurteilt. Und doch - ein Blick, ein kleines, kaum wahrnehmbares Zucken im linken Mundwinkel, ein Spott, ein: „Ich weiß, was du denkst. Ich weiß, was du dir mit ihr vorstellst, der Tochter. Ich weiß, wie du mich immer noch willst, aber nur, weil ich dich nie genommen hab. Und jetzt willst du sie, weil du mich nie hattest." Und ich will widersprechen. In mir. Aber da ist nichts zu widersprechen. Denn sie hat recht. Und die Tochter? Die Tochter steht da, als wäre sie der Schlüssel zur Hölle. Oder zum Paradies. Oder zu etwas Drittem, was aber nicht das purgatorio sein kann. Etwas, das man nicht sagt. Das man sich nur denkt. Spürt. In der Handfläche. Im Schritt. Im schlechten Gewissen. Im Sabber. Sie tritt einen halben Schritt vor. Sie fragt nicht. Sie sagt nichts. Aber sie weiß. Sie weiß von der Mutter. Von den Nächten. Von den Geräuschen. Vielleicht stand sie einmal an der Tür. Oder im Flur. Oder träumte es sich. Und wenn ich ...
... dies gewusst hätte, dann wäre ich wohl sicherlich noch härter und wilder über ihre Mutter voller Lust hergefallen, sodass sie es sicherlich gehört hätte, vielleicht sogar gesehen, vielleicht sogar den ersten Funken einer ersten Lust entfaltet hätte. So ganz im Sinne von zuerst die Mutter, dann die Tochter und zuletzt alle beide... dieser Wahnsinnstraum von verbotenen Sehnsüchten, zu dem wohl nur solch ein Ohrensesselfurzer fähig ist, wie ich in eben jenem Moment der Sehnsucht und Erinnerung darstellen! Und Claudia sieht es. Natürlich sieht sie es. Sie war immer eine Kupplerin. Aber keine plumpe. Nie direkt. Immer durch den Spiegel. Sie lässt es geschehen. Oder plant es. Und ich sitze. Ich sitze und werde hart. Langsam. Tief. Ohne Erektion. Aber mit einem Druck. Einem innerlichen, geistigen, fleischlosen Druck, der nach Fleisch schreit. Ich denke mir alles aus. Wie sie zu mir kommt. Wie sie sich beugt. Wie sie mich fragt: „War meine Mutter besser als Claudia?" Und ich sage: „Ich will's herausfinden." Und sie sagt: „Dann hol mich. Aber hier. Jetzt. Mit ihr dort." Und ich sehe rüber - Claudia sieht weg. Die Götzin sieht durch mich hindurch. Und ich sehe mich selbst: im Spiegel. Alt. Verloren. Lächerlich. Ich stehe auf. Ich setze mich wieder. Ich stehe wieder auf. Ich gehe zwei Schritte. Ich sage nichts. Ich trinke. Ich schwitze. Ich will. Ich will ...