1. Erregung


    Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif

    ... Wie ein Tropfen auf der Matratze. Ein tief gehender Spermafleck. Wie ein Geruch, der nicht wegging. Und ich hatte es nie geglaubt. Natürlich nicht. Sie ähnelt ihr, ja. Sie ähnelt Beate. Sehr sogar. Sie ist wie eine jüngere Version von Beate.Mater semper certa est, welch Logik! Aber sie ähnelt nicht mir. Kein bisschen. Nicht in den Augen. Nicht im Mund. Nicht in der Art zu gehen. Und dennoch - war da etwas. Etwas im Blick. Etwas in der Haltung. Etwas, das sich nicht zuordnen ließ.
    
    Und ich dachte: Was, wenn? Nur ganz kurz. Nur einen Moment. Und ich spürte, wie sich etwas regte. Etwas in mir. Etwas Ungeheures. Etwas, das verboten war. Etwas, das genau deswegen nicht zu bremsen war. Diese Vorstellung, dass sie meine Tochter sein könnte. Dass ich in sie eindringen wollte. Dass ich es längst getan hatte. Oder tun würde. Oder nur träumte, es getan zu haben. Und ich fühlte es. Ich fühlte mich wieder hart werden. Im Kopf zuerst. Dann im Körper. Diese absurde, schamlose, ekelhafte, herrliche Geilheit. Und ich wusste: Ich würde diesen Gedanken nicht los. Nicht heute. Nicht mehr.
    
    Und sie? Sie sah mich an. Als wüsste sie. Als ahnte sie. Als wäre es Teil ihres Spiels. Als hätte Beate ihr gesagt: "Sag ihm das. Lass ihn zweifeln. Lass ihn wollen. Lass ihn leiden." Und ich dachte: Wenn das wahr wäre - wäre es nicht das Größte? Das Abgründigste? Das Schönste? Das Endgültige? Das verbotenste Verbot, das es zu brechen galt?
    
    Und ich lachte. Diesmal wirklich. Laut. In mich hinein. In ...
    ... sie hinein. In alles hinein.
    
    Und? Und ja! JA natürlich! Wer denn sonst, wenn nicht auch ER!
    
    Er war da. Natürlich war er da. Wie hätte er fehlen können, bei diesem Schauspiel, bei dieser Bühne, die sich Trauerfeier nannte, aber längst nichts anderes war als eine Galerie vergangener Lüste, verwehter Begierden, gescheiterter Intrigen, und ja, eben auch dieser feinen, ewig brennenden geistigen Eifersucht, die nicht mit Küssen beginnt, sondern mit Blicken. Mit Gesten. Mit Wissen. Ich sah ihn sofort. Diesen Gustave (Schüstaffff - so schön gesprochen), diesen angeblichen Gustav, diesen vielleicht August, diesen definitiven Ungustl, wie ich ihn sofort taufte, als säße ich auf dem Richtertisch und nicht auf dem wackelnden Polsterstuhl neben dem Buffet. Leutnant Ungustl. Ganz der Schnitzler'sche Typus. Nur ohne Uniform, dafür mit Einstecktuch. Und einem Säbel, der vielleicht einem swiss army knife gleichkam, jedenfalls stumpf und rostig und... peinlich wirkend, wie der ganze Auftritt überhaupt.
    
    Ich erkannte ihn nicht im eigentlichen Sinne, aber ich wusste, wer er war. So wie man in einem Traum jemanden erkennt, obwohl das Gesicht nicht stimmt, obwohl die Stimme falsch ist. Ich wusste, dass er etwas mit ihr hatte. Mit Beate. Irgendwann. Irgendwie. Und wenn es nur war, weil sie ihm zuhörte. Zu lange zuhörte. Zu oft nickte. Zu sehr lachte bei Dingen, die nicht lustig waren. Ich erinnerte mich, wie sie einmal, halb lachend, halb seufzend, diesen Namen sagte: „Der Gustl..." So ...
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