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Erregung
Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif
... beiläufig, dass es nur eine Falle sein konnte. „Der Gustl, den kann man ja nicht ernst nehmen." Und ich wusste: Wenn eine Frau das sagt, dann hat sie ihn entweder geliebt oder gefickt. Oder beides. Und ich trank. Ein Glas. Noch eines. Ich beobachtete ihn. Wie er sich bewegte. Wie er Hände schüttelte. Wie er sich aufspielte, ohne sich zu erheben. Ein Leutnant ohne Befehl. Aber mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der zu oft eingeladen wird, obwohl man ihn nicht mag. Ich spürte, wie sich in mir etwas regte. Kein Hass. Keine Wut. Eine Art von eifersüchtiger Neugier. Wollte ich wissen, wie es war mit ihm? Wie Beate mit ihm war? Ob sie ihm die gleichen Dinge sagte, ins Ohr, ins Bett, ins Fleisch? Ob sie sich von ihm schlagen ließ? Fesseln ließ? Ob sie ihm auch diese Spuren auf dem Rücken hinterließ, die ich an ihr gesehen hatte, damals, nach der Nacht mit mir, nach der Nacht mit jemand anderem, wer weiß es schon. Vielleicht war es er. Der Gustl. Der Ungustl. Und ich dachte: Was, wenn er der Vater war? Der Vater von Kassandra. Nicht ich. Nicht einer, den ich nicht kannte. Sondern er. Der, dem man alles zutraut, außer Tiefe. Der, der sich bei jeder Beerdigung am besten kleidet. Der, der sich das Recht nimmt, am lautesten zu schweigen. Ich stellte es mir vor. Die beiden. Nach irgendeiner dieser lächerlichen Galerienächte. Oder am Rande einer Premiere. Oder im Fahrstuhl. Beate, wie sie sich an ihn presst. Oder er sich an sie. Wer will das wissen. Ich wusste nur: Es war ...
... möglich. Und das machte es real. Ich trank weiter. Ich stellte mir ihre Körper vor. Ihren Körper. Seinen. Ihren damals. Seinen immer schon. Ich fragte mich, ob sie es genoss. Oder nur tat, weil es zu tun war. Und ich fragte mich, ob sie ihn nackt sehen konnte, ohne zu lachen. Und dann fragte ich mich, ob ich ihn nackt sehen konnte, ohne zu lachen. Und ich wusste: Nein. Und dann dachte ich: Vielleicht war das ihr Geheimnis. Dass sie ihn nie wirklich sah. Sondern sich nur sah. Im Spiegel seines Begehrens. Und das war genug. Und ich wurde erregt. Ja. Ich wurde es. Trotz allem. Trotz ihm. Oder wegen ihm. Ich wurde erregt, weil ich sie mir vorstellte. Mit ihm. Und mit mir. Und mit niemandem. Und mit Kassandra. Ja, auch das. Ich stellte es mir vor. Die Weitergabe. Der Übergang. Das Erbe. Das Fleisch. Und ich wusste: Ich bin betrunken. Und ich will mehr trinken. Und ich will weniger wissen. Und ich will alles glauben. Und ich will nichts wissen. Der Ungustl stand da. Nahm ein Häppchen. Nickte. Sprach mit der Witwe eines anderen. Und ich dachte: Vielleicht weiß er alles. Vielleicht weiß er nichts. Vielleicht war er nur ein Bild. Eine Figur. Ein Schatten. Vielleicht war er gar nicht da. Vielleicht saß ich allein in diesem Raum. Mit meinen Gläsern. Mit meinen Gedanken. Mit meiner Erregung. Mit meinem Ungustl. Und ich lachte. In mich hinein. Oder heraus. Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur: Ich blieb sitzen. Und ich beobachtete ihn weiter. Bis er ging. Und dann war da nur noch ...