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Erregung
Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif
... Vorstellung, nur da, nie außerhalb, nur im Kopf, in meinem Inneren, wo Beate wohnt, und Claudia, und jetzt - vielleicht - sie. Ich stehe am Buffet, weil ich nicht mehr sitzen kann, ich kann nicht mehr sitzen, nicht in diesem Sessel, nicht in diesem Zimmer, nicht mit diesen Blicken, mit diesen Stimmen, mit diesen Frauen, die nicht sprechen und doch alles sagen, ich muss stehen, muss mich bewegen, ich muss so tun, als wäre ich ganz beiläufig hier, als hätte ich Hunger, als wäre ich nicht auf der Flucht, und da steht sie, sie steht plötzlich neben mir, als wäre es nichts, als wäre es nur Zufall, als wäre es das Natürlichste der Welt, dass die Tochter meiner ehemaligen Geliebten, die Tochter von Beate, von dieser Beate, die mich kannte, besser als ich mich kannte, die mich in sich aufnahm, in sich sog, in sich verwandelte, nun ihre Tochter dort steht, neben mir, an der Käseplatte, mit der Gabel in der Luft, mit diesem leichten Lächeln, das kein Lächeln ist, sondern eine Geste, ein Zeichen, eine Andeutung, und ich weiß nicht, wohin mit meinen Augen, mit meinen Händen, mit meinem ganzen verdammten Körper. „Sie mögen Ziegenkäse?", fragt sie, als wäre das eine Frage, die man stellt, eine harmlose Frage, eine normale Frage, und ich sage „manchmal", ich sage „nicht immer", ich sage „kommt auf die Gesellschaft an", und sie lächelt, nicht nur mit dem Mund, auch mit dem Hals, mit den Schultern, mit den Fingerspitzen, sie lächelt, als hätte sie mich längst gelesen, durchschaut, ...
... verstanden, längst, und ich sage: „Ich glaube, wir wurden uns nicht vorgestellt", und sie sagt: „Ich bin mir nicht sicher, ob das nötig ist", und da weiß ich: das Spiel beginnt. Ich frage mich, wie alt sie ist, nicht in Jahren, die interessieren mich nicht, sondern in Blicken, in Haltungen, in Selbstbewusstsein, und sie steht da, wie Beate damals stand, nicht ganz sicher, ob sie will, oder ob sie nur sehen will, ob ich will, und ich will, natürlich will ich, aber ich darf nicht, und ich sage nichts, ich strecke die Hand aus nach dem Baguette, sie streckt die Hand aus nach der gleichen Scheibe, unsere Finger berühren sich, nur kurz, zu kurz, um daraus etwas zu machen, zu lang, um es zu vergessen. „Darf ich Sie was fragen?", sagt sie, und ich sage: „Bitte nicht", aber ich meine: „Unbedingt", und sie sagt:„Wie war sie denn, meine Mutter?", und ich schlucke, nicht das Brot, nicht den Wein, sondern das, was da zwischen uns steht, dieses gewaltige, schweigende Tier, das jetzt in den Raum getreten ist, in das Buffet hineingewandert, zwischen Servierteller und Butterrose, das Tier der Erinnerung, das Tier der Schuld, das Tier der Begierde. Ich sage: „Das kommt darauf an", und sie sagt:„Nein, sagen Sie's ruhig. Ich weiß mehr, als Sie glauben.", und ich sage: „Was glauben Sie denn, was ich glaube?", und sie sagt nichts, sie nimmt ein Stück Käse, beißt ab, kaut langsam, sieht mich nicht an, und dann doch. Käse? War es auch Ziegenkäse bei ihr oder doch dieser gestrichene von der Kuh, ...