1. Erregung


    Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif

    ... wo mir ekelt, wenn ich an die Herstellung denke. Käse - ist das nicht das Potential der getrockneten Milchhaut, wo ich als Kind schon solchen Ekel verspürte, dass ich mich mehrfach auch bei Tisch übergeben konnte. Kaukau, wie das schon klang. Da war immer diese Milchhaut oben gewesen. Ganz sicher, anders gab es die Milch damals ja nicht, als es sie nur in Flaschen gab, dicke Milch, die mit Rahm und all dem Zeugs oben, das ich nicht vertrug. Laktoseintoleranz - aber wer kannte das denn schon damals, als ich mich nicht so hätte anstellen sollen, sondern eben die gesunde Milch einfach trinken, weil... ich lächle jetzt, denn bei Ziegen ist das vielleicht anders. Die haben nicht diese Laktose oder eine andere Form davon oder aber... nein, ich denke nicht weiter, was für Unmöglichkeit sich kurz in meinen Gedanken ergeben hatte.
    
    Ich sage: „Sie war eine unglaubliche Frau", und sie sagt:„Ja. Das höre ich oft. Aber was heißt das?", und ich weiß, dass sie es wissen will, wirklich wissen will, aber nicht in Worten, nicht in Aufzählungen, sondern in Blicken, in Haltungen, in dieser peinlichen, kribbelnden Nähe, die sich um uns legt wie Parfum, das nicht zu ihr passt, zu süß, zu warm, zu reif, sie ist zu jung für diesen Duft, aber sie trägt ihn, als sei er ein Mantel, den sie gestohlen hat.
    
    Ich sage: „Sie wusste, was sie wollte", und sie sagt:„Wirklich? Oder hat sie nur getan, als wüsste sie es?", und ich höre in dieser Frage die ganze Wunde, das ganze ungeklärte Erbe, die ganze ...
    ... Scham einer Tochter, die mehr weiß, als sie will, und nicht genug, um es zu verstehen, und ich weiß nicht, ob ich sie trösten will, oder reizen, oder einfach nur verführen, weil sie da ist, weil sie es zulässt, weil sie nicht geht.
    
    Ich sage: „Sie war direkt", und sie sagt:„Bin ich das auch?", und ich sage: „Sie waren... sind... anders", und sie sagt:„Ich hoffe doch. Ich hab gehört, sie war wild."
    
    Ich sage nichts. Aber ich denke wohl laut, sehr eindeutig. Man kann es hören, was ich denke, man kann es sehen, was ich denke, selbst wenn ich das bleiche und unbeschriebene Blatt nach außen hin darstellen kann.
    
    Sie sieht mich an.
    
    Sie sagt:„Ich wollte nur wissen, wie wild."
    
    Ich sage: „So wild, dass man sich nicht traute, es zu erzählen."
    
    Sie lächelt.
    
    Dann:„Dann erzählen Sie's mir nicht. Zeigen Sie's mir irgendwann."
    
    Ich lache.
    
    Zu laut.
    
    Zu lang.
    
    Ich greife nach dem Rotwein.
    
    Der Becher zittert.
    
    Meine Hand auch.
    
    Sie streicht sich die Haare zurück.
    
    Beates Geste.
    
    Eins zu eins.
    
    Und eine Bewegung, die ich kenne. Die ich kannte, die ich liebte, die ich liebe. Eine Bewegung, ganz so als würde sie einen Daumen lecken, was wohl ein jeder versteht. Nicht so plump, aber eindeutig. Ein Vorhang, den sie öffnet. Oder ein Tor, das sie damit nicht mehr verstellt, eine Tür, die freigegeben wird. Ein virtueller Schlüssel, der längst schon in meiner Hand zu zappeln beginnt. Ein Schlüsselbund, ein weiterer Schlüssel, den ich einsetzen kann und will und ...
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