1. Erregung


    Datum: 02.02.2026, Kategorien: Reif

    ... werde!
    
    Ich frage: „Sie wollen doch nur wissen, ob Sie besser wären."
    
    Sie:„Ich weiß es."
    
    Ich: „Wissen ersetzt Erfahrung nicht."
    
    Sie:„Dann geben Sie mir welche."
    
    Stille.
    
    Ziegenkäse.
    
    Ein Stück Brot.
    
    Der Raum um uns wird enger.
    
    Sie riecht nach Neuanfang und Wiederholung.
    
    Ich sage: „Das wäre verrückt."
    
    Sie:„Aber ehrlich."
    
    Ich sage: „Sie sind zu jung."
    
    Sie:„Sie sind zu ehrlich."
    
    Ich sage: „DU bist zu jung."
    
    Sie:„DU bist zu ehrlich."
    
    Sie dreht sich.
    
    Geht ein paar Schritte.
    
    Dann bleibt sie stehen.
    
    Dreht sich nicht um.
    
    Sagt:„Ich schlaf im kleinen Gästezimmer. Neben dem Flur."
    
    Dann geht sie.
    
    Ich stehe da.
    
    Mit Brot in der Hand.
    
    Mit Lust in der Hose.
    
    Mit Schuld im Nacken.
    
    Und Beate in der Erinnerung.
    
    Ich war nie so lebendig.
    
    Ich gehe, natürlich gehe ich, ich tue nicht so, als würde ich nur das Bad suchen, ich täusche keinen Zufall vor, ich bin längst jenseits aller Täuschungen, ich gehe, weil sie es gesagt hat, sie hat es gesagt, dieses Mädchen, diese Tochter, diese Verheißung, sie hat gesagt:Ich schlafe im kleinen Gästezimmer, und sie hat es nicht gesagt wie eine, die sich schlafen legt, sondern wie eine, die weiß, dass Worte wirken, wenn sie wie Verse gesetzt sind, leise, klar, mitten ins Ohr,kleines Gästezimmer neben dem Flur, nicht mehr, nicht weniger, keine Einladung, keine Bitte, nur ein Hinweis, eine Notiz, ein Fußnotenvermerk in diesem überladenen Lexikon der Begierde, das mein Kopf ist, mein ...
    ... Körper, mein ganzer verkommener Organismus, und ich gehe also, ich gehe durch den Flur, durch diesen zu hell beleuchteten Flur mit den zu vielen Bildern, mit den unscharfen Aquarellen, den Holzrahmen, ich gehe an Claudias Schlafzimmer vorbei, ich gehe an der Erinnerung vorbei, ich gehe durch das Geräusch meiner eigenen Schritte, durch mein eigenes Schwitzen, ich gehe, ich weiß, dass es falsch ist, ich weiß, dass ich mich schämen werde, ich weiß, dass ich mich hasse, aber ich gehe, ich gehe mit der Entschlossenheit eines Tiers, das riecht, was es will, und sie, sie ist schon da, die Tür ist nicht ganz geschlossen, natürlich nicht ganz, sie ist angelehnt, wie damals bei Beate, damals auch, die Tür halb offen, die Bluse halb offen, die Absicht halb verborgen, ich klopfe nicht, ich trete ein, ich trete ein in ein Zimmer, das nichts sagt, nichts zeigt, nur ein Bett, ein Stuhl, ein Fenster, und sie liegt auf dem Bett, nicht ganz, sie lehnt sich, halb sitzend, halb wartend, sie hat die Schuhe ausgezogen, das Kleid noch an, aber hochgerutscht, wie zufällig, nicht inszeniert, nicht gestellt, aber doch genau so, dass ich sehe, dass ich ahne, dass ich will, und sie sagt nichts, sie sieht mich nur an, nicht fordernd, nicht gierig, aber wissend, wie Beate wusste, wie Claudia wusste, wie nur Frauen wissen, die sich entschlossen haben, und sie steht auf, langsam, ohne Eile, sie geht auf mich zu, sie sagt nichts, sie küsst mich nicht, sie kniet sich vor mich, sie öffnet meine Hose, sie tut es ...
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