1. Ein Schicksal auf Rädern 12


    Datum: 26.03.2026, Kategorien: Widerwillen/Nichteinwilligung,

    ... so unendlich gesündigt haben!" Seine Stimme war ein heiseres Schluchzen. Der fromme Mann, der Friedrichs Unglück letztes Jahr noch als gerechte Strafe gepredigt hatte, sah nun seine eigene Existenz durch eine göttliche Plage in Stücke gerissen.
    
    Valentina sagte nichts. Sie saß regungslos im Sattel, umgeben vom Chaos der stampfenden Rinder, die weiter in Panik ihre eigene Kälber zu Tode trampelten, dem raschelnden Fressgeräusch und dem verzweifelten Geschrei der Männer. Ihr Blick war nicht auf die Vernichtung gerichtet, sondern in die Ferne, dorthin, wo Annas Farm lag. Ihr Gesicht, sonst so beherrscht und kalkulierend, war eine Maske aus fassungsloser Verzweiflung. Alles, was sie mit ihrem Körper gewonnen hatte -- die Sicherheit, der Reichtum, die Macht --, wurde in diesem endlosen Nachmittag von Milliarden winzigen Kiefern zermalmt. Die Tränen, die ihr nun über die Wangen liefen, waren nicht nur für die verlorenen Rinder oder das Heu. Sie waren für eine Zukunft, die gerade so endgültig und brutal gefressen wurde wie der Weizen auf Friedrichs Feld. Die Niederlage war vollständig. Das Erbe, dem sie gerne Boones Sohn Micah hinterlassen hätte, war verloren, nicht durch menschliche Feinde, sondern durch die apokalyptische Macht der Natur. Als der Schwarm endlich weiterzog begann ein schwarzer Regen aus Insektenkot zu fallen, als trauere der Himmel selbst über dem verwüsteten Land.
    
    Die Abendsonne nach dem Abzug des Schwarms legte sich wie ein Leichentuch über die Farm. Anna ...
    ... und Friedrich standen inmitten der apokalyptischen Stille -- kein Rascheln und Surren mehr, kein Fressgeräusch, nur das Knirschen von toten oder sterbenden Heuschrecken unter ihren Stiefeln und der beißende Geruch von zerstörtem Leben. Die Erkenntnis traf sie mit physischer Wucht: *Endgültig ruiniert.* Die Schuldenlast, ohnehin ein erdrückender Albtraum, würde nun zu einem unbezwingbaren Berg anwachsen. Neue Schulden für Saatgut aufzunehmen? Ein Wahnsinnsgedanke. Wozu, wenn doch nächsten Sommer dieselbe lebende Hölle vom Himmel fallen konnte?
    
    Anna packte Friedrichs staubbedeckten Arm, ihre Finger gruben sich in seinen verschlissenen Ärmel. Ihre Stimme war heiser, aber voll einer verzweifelten Entschlossenheit. "Der Westen, Friedrich. Wir müssen... wir müssen es weiter im Westen versuchen. Als Goldgräber. In den Black Hills." In ihren eisblauen Augen blitzte etwas auf, das nicht nur Verzweiflung war -- eine verborgene Hoffnung. *Clay und Boone*, dachte sie. *Irgendwo da draußen im Westen müssen sie sein. Etwas hält sie auf... oder ist ihnen zugestoßen. Aber wenn wir sie finden...* Die Vorstellung dieser harten Männer, die ihnen Schutz bieten könnten in der Wildnis, war ihr einziger Rettungsanker. "In Süd Dakota," murmelte Friedrich, sein Blick war leer auf die kahlen Stoppeln gerichtet. Resignation lähmte seine Züge.
    
    "Ja... Tom schwadronierte damals in Omaha davon, als wir dich in Bordellen suchten. Ein neues Eldorado, sagte er. Gold, das nur so aus den Bächen sprudeln ...
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