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Ein Schicksal auf Rädern 12
Datum: 26.03.2026, Kategorien: Widerwillen/Nichteinwilligung,
... soll." Ein bitteres Lachen entrang sich ihm. Das Gold, auf das Tom damals so gierig geblickt und schnell wieder vergessen hatte als er sich in Harlow's Eingemachte Nest setzte, war nun ihre letzte Hoffnung. Anna nickte heftig, ihr Geist arbeitete fieberhaft, den dünnen Faden der Hoffnung weiterspinnend. "Genau. So machen wir es: Wir verkaufen das Land und jeden kläglichen Rest unserer Habe. Tilgen unsere Schulden -- vor allem Tom. Dann kaufen wir Proviant, Werkzeuge... alles fürs Goldschürfen. Und suchen uns in Plattsmouth einen Treck, dem wir uns anschließen können." Sie zögerte einen Moment, ihr Blick wanderte in Richtung von Valentinas Ranch. "Aber vorher... vorher müssen wir zu Valentina. Vielleicht... vielleicht hatten sie ja Glück und helfen uns wieder aus." Friedrichs Kopfschütteln kam langsam aber war endgültig. "Nein, Liebste. Diesmal hat es *alle* getroffen. Diesmal gab es kein Entrinnen, dafür waren es zu viele." Der Abschied von ihrer neuen Heimat war ein Akt gnadenloser Nüchternheit. Drei Wochen später unterzeichnete Friedrich mit zitternder Hand die Papiere. Das Land der Webers ging für einen Bruchteil seines einstigen Wertes an einen kalt lächelnden Spekulanten aus Omaha. Der Mann sah nicht die Verwüstung, nur die Zukunft -- billig erworbenes Land, das er in besseren Zeiten mit zehn bis zwanzigfachem Gewinn an ahnungslose Träumer weiterverkaufen würde. Friedrich spürte den schmerzhaften Stich, als der Mann die Münzen auf den Tisch abzählte. Es war ...
... das Begräbnis ihrer Träume von eigenem Land. Auf Valentinas Ranch herrschte eine andere Art von Verzweiflung -- die Verzweiflung des erzwungenen Handelns. Ohne Futter, ohne Weidegras, standen sie vor der grausamen Wahl: die verbliebenen Rinder jetzt zu Spottpreisen zu verkaufen oder zuzusehen, wie sie im kommenden Winter qualvoll verhungerten. Der Futtermangel war überall. Ein panischer Ausverkauf von allen Rinderbesitzern überschwemmte die Märkte, die Fleischpreise stürzten ins Bodenlose. Valentina verhandelte mit eiserner Miene, aber jeder Handschlag, jedes verkaufte Vieh fühlte sich an wie eine Niederlage. Schließlich nahm eine Eisenbahngesellschaft die Ranch selbst ab -- nicht für Viehzucht, sondern als billiges Land für Versorgungsdepots. Der Preis war erniedrigend gering. Der Aufbruch war ein Trauerspiel in Planwagen. Valentina und Tom verwandelten ihre Welt in zwei gebrauchte, abgewetzte Planwagen. Einer, hoch beladen bis unter das Segeltuchdach, quoll über mit Spitzhacken, Waschpfannen, Schaufeln und Hämmern -- Werkzeuge für Toms geplantes Goldschürfen in den Black Hills und vorallem Valentinas Ambitionen steckten in Kisten voller billiger Stoffe, Nägel, Kaffee und Salz -- der Grundstock für einen Laden, den sie in der Goldgräbersiedlung eröffnen wollte. Der andere Wagen diente dem Überleben: Säcke mit Mehl und Bohnen, Fässer mit Salzspeck, Holzkisten mit gackernden Hühnern, schweres Futter für die Zugpferde. Das Gras unterwegs, wussten sie, wäre im späten Sommer ...