1. Ein Schicksal auf Rädern 12


    Datum: 26.03.2026, Kategorien: Widerwillen/Nichteinwilligung,

    ... bereits verdorrt.
    
    Anna saß zusammengekauert im hinteren Teil ihres eigenen Planwagens. Auf ihrem Schoß schlummerte die kleine Angel, deren feuerroter Haarschopf unter einem groben Tuch hervorsah. Jakob, ein wenig größer und ernster geworden, lehnte sich eng an ihre Seite, seine Augen weit aufgerissen vor Unverständnis über das Chaos des Aufbruchs. Friedrich hockte vorn auf dem Bock, den Blick starr nach Westen gerichtet, die Zügel hingen schlaff in seinen Händen, während er diesen Schicksalsschlag verdaute.
    
    Auf dem staubigen Sammelplatz am Rande von Plattsmouth warteten sie. Neben Valentinas beiden Wagen standen zwei weitere: Der schlichte, robuste Planwagen der MacLeods -- Fergus und Moira mit ihren beiden blassen, schweigsamen Töchtern, die ängstlich hinter den Rückwänden hervorspähten. Und der etwas unordentlicher beladene Wagen der jungen Nielsens -- Lars strahlte trotz allem unbeirrbaren Optimismus, Solveig ignorierte Anna und schaute von ihr verdrossen weg, als sich ihre Blicke kurz trafen. Sie alle warteten auf den großen Treck, der heute aus dem Osten eintreffen sollte. Nur in der Menge, wussten sie, läge Sicherheit vor den Gefahren des Weges -- Sioux-Kriegern, die ihr Land verteidigten, und Outlaws, die die Schwäche der Reisenden gnadenlos ausnutzten.
    
    Die Hitze des Nachmittags lag schwer über dem Platz. Der Geruch von Pferdedung, staubigem Leder und Angstschweiß vermischte sich. Irgendwo grölte ein besoffener. Ein Pferd scharrte ungeduldig und Anna ...
    ... schloss die Augen. Vor ihrem inneren Auge flackerte ein Bild auf -- nicht der goldene Weizen, nicht die Hoffnung, sondern wie es angefangen hatte: Die unscheinbare Kutschfahrt damals, die sie mit voller Hoffnung angetreten waren. Das dumpfe Rumpeln der Räder auf dem Weg nach Plattsmouth, während Haut auf ihre Haut klatschte. Die naive Hoffnung über ein neues Leben, der Horizont mit jedem weiteren Schwanz in ihr sich erweiterte. Die Ahnungslosigkeit und das Aufopfern ihres Körpers, damit alles nicht umsonst gewesen war. Nun schien das Rad des Schicksals sich gnadenlos und höhnisch erneut zu drehen. Wieder ein Wagen. Wieder ein Aufbruch ins Ungewisse. Wieder dieses erbarmungslose Grollen der Räder über unwegsamen Grund. Der Kreis schloss sich mit einer brutaler Ironie. Das Schicksal hatte sie abermals auf Räder verbannt -- als gäbe es wirklich kein Entrinnen aus diesem Fluch. Die Sonne brannte auf die gespannten Planensegel, als warteten sie nur auf das Signal, in die nächste Katastrophe zu rollen.
    
    ENDE
    
    Fortführung nur bei zahlreicher Rückmeldung...
    
    Vielen Dank an alle Leserinnen und Leser, die gemeinsam mit mir das Saisonfinale dieser Storyreihe erreicht und so fleißig kommentiert haben.
    
    Für meine Verhältnisse setze ich die Messlatte diesmal bewusst etwas höher: Mit der zweiten Staffel beginne ich erst, wenn mindestens zehn von euch in den Kommentaren den Wunsch danach äußern.
    
    Ehrlich gesagt denke ich, dass es eine ganze Weile dauern könnte, bis sich so viele ...