1. Onkel Roberts Tagebuch


    Datum: 13.04.2026, Kategorien: Voyeurismus / Exhibitionismus

    Die Feierlichkeiten waren vorbei. Viele Menschen waren gekommen, um Onkel Robert das letzte Geleit zu geben. Der Bürgermeister, der Vorsitzende des Rotary Clubs und nicht zuletzt der Pfarrer hatten bewegende Worte gefunden, um ihre Trauer auszudrücken und den Verstorbenen zu würdigen. Robert Ziegler war in der Gemeinde beliebt gewesen – ruhig, freundlich, stets hilfsbereit. Julia hatte ihn für eben diese Eigenschaften geschätzt, auch wenn ihr Verhältnis zu ihm nie besonders eng gewesen war; er war der Bruder ihres Großvaters und lebte seit jeher in einiger Entfernung.
    
    Onkel Robert war verwitwet und kinderlos. Soweit Julia wusste, war er im Alter von 95 Jahren friedlich in seinem Bett eingeschlafen. Seine Haushaltshilfe hatte ihn am folgenden Morgen gefunden.
    
    Als die Trauergäste sich zwischen den Gräbern zerstreuten, trat ein älterer Herr an sie heran.
    
    „Gestatten, Kalkhoff“, sagte er und reichte ihr die Hand. „Ich war ein Freund Ihres Onkels. Vor meinem Ruhestand war ich Anwalt, und er bat mich, nach seinem Ableben ein paar Dinge zu regeln. Wegen des Erbes werden Sie Post vom Notar erhalten. Doch eines sollte ich Ihnen ganz persönlich am Tag seiner Beerdigung übergeben.“
    
    Er zog eine dicke Mappe aus seiner Aktentasche und drückte sie Julia in die Hand.
    
    „Bitte. Er bestand darauf.“
    
    Julia öffnete den Mund, um etwas zu fragen, doch der Mann wandte sich bereits ab und verschwand mit überraschend schnellen Schritten. Etwas verwirrt legte sie die Mappe auf den ...
    ... Beifahrersitz ihres Autos und fuhr zum traditionellen Leichenschmaus.
    
    Wie so oft bei solchen Anlässen löste sich die gedrückte Stimmung nach und nach. Die weit verstreute Verwandtschaft nutzte die seltene Gelegenheit, sich auszutauschen, Erinnerungen zu teilen und Geschichten über den Verstorbenen zu erzählen. Es gab niemanden, der Schlechtes über ihn zu sagen hatte – und das, fand Julia, lag nicht allein daran, dass er erst gestern verstorben war.
    
    Der Nachmittag verging schnell. Am frühen Abend verabschiedeten sich die Gäste voneinander und versprachen wie immer, sich öfter zu melden.
    
    Als Julia wieder ins Auto stieg, fiel ihr Blick auf die Mappe. Doch Müdigkeit machte sich bemerkbar, und sie beschloss, sie erst am nächsten Tag zu öffnen. Sie hatte sich freigenommen, wollte erst am Nachmittag zurückfahren und hatte für die Nacht ein Zimmer in einer kleinen Pension gebucht. Kurz darauf fiel sie erschöpft ins Bett.
    
    Am nächsten Morgen weckte sie die Sonne. Für Mitte Mai war es ungewöhnlich warm, und sie entschied, einen kleinen Ausflug zu machen. Von früheren Besuchen kannte sie einen schönen Spazierweg. Sie parkte am Wanderparkplatz und nahm den Umschlag mit – vielleicht würde sie unterwegs Zeit finden, hineinzusehen.
    
    An einer ruhigen, sonnigen Sitzgruppe legte sie schließlich eine Pause ein. In der Mappe lagen zwei kleine Hefte. Auf dem ersten stand in ordentlich geschwungener Schrift:
    
    „Robert Ziegler: Erinnerungen an die Kriegszeit 1944–1945“
    
    Julia runzelte die ...
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