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Jessica, die entfesselte Ballkünstlerin!
Datum: 05.05.2026, Kategorien: Schamsituation
... liebte! Ja, es hatte etwas gedauert, mich emotional wieder komplett zu öffnen, aber es hatte sich gelohnt. Wie geplant, begannen wir beide unsere Studiengänge und kamen gut voran. Ein Vierteljahr später machte er mir einen Heiratsantrag, den ich begeistert annahm! Und über jenen denkwürdigen Freitag mit seiner "spritzigen" Dynamik haben wir nie mehr ein Wort verloren! Und eines Tages im Frühjahr saßen wir auf dem kleinen Balkon der kleinen Zweizimmerbude – wie immer hatte Frank das Frühstück vorbereitet. Er füllte den dampfenden Kaffee in die Tassen, ein Spatz pickte am Geländer des Balkons. Alles war perfekt und ich war glücklich – doch eine Frage brannte in mir und ließ mich nicht los! »Frank, einer von den Jungs muß damals gequatscht haben. Ich muß wissen, wer das war. War es Felix?« Er sah mich an und antwortete mit fester Stimme: »Ja, Jessica. Es war Felix!« »Habe ich es doch geahnt. Er war der Einzige, der die Nerven verloren hat.« »Er hat’s nicht böse gemeint, Jessica. Er war einfach überfordert. Du weißt doch, wie er ist – redet, wenn er nervös wird, und merkt zu spät, was er da anrichtet.« »Ich weiß. Aber er hätte sich doch denken können, was danach passiert. Frank, ich habe meinen Job bei Viola verloren! So etwas kann Existenzen zerstören. Ich war tagelang das Gesprächsthema. Es war, als hätten sie vergessen, daß ich ein Mensch bin.« »Ich habe mit ihm gesprochen, schon damals. Hatte ihm gesagt, daß er Dich ...
... verraten hat und daß das eine Schweinerei gewesen ist. Er war fertig, ehrlich. Ich glaub', er hat’s bis heute nicht verdaut.« Ich atmete tief: »Vielleicht hat er einfach Angst gehabt. Die meisten hätten sich weggeduckt. Und vielleicht … mußte ich das alles durchstehen, um jetzt hier zu sitzen. Zusammen mit Dir!« Er lächelte jetzt: »So habe ich das noch gar nicht gesehen. Aber ja … vielleicht war das der Weg, den’s gebraucht hat. Ohne diesen Freitag, ohne alles, wärst Du heute nicht hier. Und ich auch nicht.« Ich nahm seine Hand: »Dann vergessen wir’s. Es bringt nichts, alte Wunden ständig neu aufreißen zu wollen. Die Vergangenheit ist durch, und wer damals zu viel geredet hat, hat heute hoffentlich gelernt zu schweigen!« Frank streichelte meine Hand: »Jessica, ich schwöre Dir ... über meine Lippen wird niemals ein Wort kommen, das nicht vorher von Dir autorisiert wurde!« »Das wäre allerdings schade. Ich mag es, wenn du redest – solange Du nur einen Schluck Kaffee im Mund und keine Gerüchte auf der Zunge hast!« Wir lachten – und für einen kurzen Moment schien die Zeit stillzustehen. Da hüpfte plötzlich der Spatz auf den Tisch, nahm uns in Augenschein, stibitzte frech ein Stück Brötchenkrume und flatterte davon. »Siehst Du, Frank – sogar der kleine Kerl weiß, wann es besser ist zu Schweigen!« Mit diesen Worten beugte ich mich vor, küßte ihn liebevoll – und besiegelte damit endgültig unsere Liebe! © 2025 by Dorothee Weber