1. Frau Professor hat ein Zimmer frei


    Datum: 08.05.2026, Kategorien: Reif

    ... waren tiefschwarz. Trotzdem, sogar in diesem Zustand sah er süß aus, wie ein leidender Liebhaber, unglaublich. Ich bot ihm den Besuchersessel an und fragte; „Möchten Sie ein Glas Wasser, sie sehen gar nicht gut aus?"
    
    „Nein danke, geht schon, bin nur gelaufen, damit ich nicht zu spät komme!" Er verzog das Gesicht zu einem schmerzvollen Lächeln. „Hat aber nichts genützt, stimmt´s?"
    
    „Na, ja, nicht so schlimm, noch haben wir ja ein paar Minuten. Ich hab sie zu mir gebeten, weil ihre Leistungen in den letzten Wochen ziemlich schwach waren, Herr Biedermann. Ich muss Sie warnen, wenn Sie so weitermachen, sieht es schlecht aus für Ihre Beurteilung!"
    
    Er starrte düster vor sich hin und nickte dann: „Ich weiß, Frau Professor, aber ich kann es nicht ändern, leider. Ist sowieso schon alles egal!" Er stand auf: „War´s das?"
    
    Verwundert blickte ich ihn an: „Nein, natürlich nicht! Sie wollen doch nicht hinschmeißen? Warum denn, um Himmels willen!"
    
    Trotzig sah er mir ins Gesicht: „Ich weiß nicht, ob Sie....?"
    
    „Ob mich das etwas angeht? Nein, eigentlich nicht, aber manchmal muss man sich auch einmischen und bei Ihnen hab ich grade so das Gefühl. Wollen Sie mir nicht erzählen, was passiert ist? Sie waren doch super unterwegs im ersten Halbjahr!"
    
    Er ließ sich wieder in den Sessel plumpsen, fuhr sich mit der Hand über die Augen und begann: „Ich hab im Moment keine Bleibe und eigentlich auch keine Aussicht, weil ich nicht flüssig bin!"
    
    „Ja, aber wo haben Sie denn bisher ...
    ... gewohnt? Haben Sie Stress mit einer Freundin?"
    
    „Freundin? Ha, was ist das? Darauf hab ich momentan wirklich keinen Bock. Nein, ich habe bei meiner Mutter gelebt, aber da ist ein Kerl eingezogen, mit dem ich nicht kann und na ja, da hab ich ihr gesagt, entweder er oder ich. Das war keine gute Idee!"
    
    „Er?", fragte ich rhetorisch und Carlos nickte. „Ja, er!"
    
    „Und wann war das?"
    
    „Vor drei Monaten! Ich hab dann einige Zeit bei einem Kumpel geschlafen, aber als dessen Freundin sich an mich herangemacht hat, bin ich da auch weg und seitdem, na ja, schlafe ich mal da, mal da, manchmal auch am Bahnhof!"
    
    „Mein Gott, das ist ja furchtbar! Stipendium?"
    
    „Hab ich angesucht, aber da brauch ich die Unterschrift von meiner Mam und die spricht nicht mit mir!", er dachte kurz nach, „das heißt, der Typ erlaubt es ihr nicht. Ich sei nicht gut für sie!"
    
    „Aber sie ist doch ihre Mutter!"
    
    Er schüttelte den Kopf: „Nee, nicht wirklich, sie hat mich mal adoptiert, gemeinsam mit ihrem Mann, aber der ist lange tot und der war es eigentlich, der mich gewollt hatte. Ja, dumm gelaufen!"
    
    „Na, und wo haben Sie ihre Sachen?"
    
    Er zuckte die Schultern: „Viel habe ich nicht, das was ich am Leib trage und ´nen Rucksack mit Kleidern zum Wechseln und das Zeug deponier ich halt, wenn ich es mal zur Uni schaffe. Ich jobbe da und dort und da lass ich das Zeug meistens!"
    
    „Was machen Sie jetzt gerade?"
    
    „Nachts Regale einräumen, bei EDEKA, da hab ich einen Spind und da kann ich auch ...
«1...345...14»