1. Die Abenteuer der Maya Klein 06


    Datum: 02.06.2026, Kategorien: Romane und Novellen,

    ... hatte gelernt, auf Barrierefreiheit zu achten, ein wichtiger Indikator für sie, dass es eine behindertengerechte WC-Einrichtung darin geben könnte.
    
    Den Gastraum betretend, fand sie eine modern und individuell gestaltete Einrichtung vor. Fast das gesamte Mobiliar war in Weiß gehalten worden, aufgebrochen durch rote und blaue Akzente. Hübsch!
    
    Leise Jazzmusik spielte, das Raunen der Gespräche erstarb für Sekunden, dann setzte es nach und nach wieder ein, während sie an der Theke wartete. Für sie etwas, das zu ihrer Normalität gehörte.
    
    „Entschuldigen Sie? Man hat mir gesagt, dass es hier eine behindertengerechte Toilette gibt."
    
    Eine schlanke braunhaarige Bedienung sah zu ihr auf und zeigte eine bedauernde Miene. „Tut mir leid, nur für Gäste oder Menschen mit Behinderung."
    
    „Aber ich bin behindert!", wandte Maya ein, sich ärgernd, dass sie ihre Brieftasche in ihrer Jacke zurückgelassen hatte. Sie hätte sich entsprechend ausweisen können.
    
    „Sie sehen aber nicht behindert aus, tut mir leid."
    
    Maya zeigte sich verwirrt. Sie hatte noch nie solch eine Zurückweisung erfahren. „Ich bin mit 2,32 m sehr groß und mit 155 Kilogramm sehr schwer. Können Sie denn überhaupt nicht nachvollziehen, dass ich in einer normal gebauten Toilette Probleme bekomme? Ich würde mich ja ausweisen, aber ich habe meine Brieftasche..."
    
    Die Bedienung machte eine bedauernde Geste. „Es tut mir leid, ich bekomme sonst Ärger mit meinem Chef. Es kommen oft Leute herein, die dann die Toiletten ...
    ... verschmutzen oder sogar das Toilettenpapier stehlen."
    
    Eine ältere Dame stand von ihrem nahen Sitzplatz auf, kam zu Maya an die Theke und schien ihr beistehen zu wollen. „Guten Tag! Sie sind die Frau aus dem Fernsehen, richtig? Die bei der Polizei arbeitet. Großartig ihr Beitrag zur Sicherheit dieser Stadt. Vielen Dank für ihren Einsatz."
    
    Maya zeigte sich verwirrt. Sie hatte eigentlich keine rechte Lust auf solch eine Laudatio. „Äh..., danke!"
    
    „Mein Name ist Dr. Busemann. Rechtsanwältin. Ich vertrete Sie gerne in dieser Sache, immerhin werden Sie gerade diskriminiert." Die Frau wandte sich an die sichtlich unsicher gewordene Bedienung. „Könnten wir dann den Geschäftsführer sprechen?"
    
    Der Blick der Barfrau wechselte zwischen den beiden ungleichen Frauen hin und her. „Aber er hat es doch selbst verboten. Ich will keinen Ärger...", erklärte sie, wurde von der Dame unterdessen höflich jedoch bestimmt unterbrochen. „Der Ärger fängt für Sie dann wohl erst richtig an. Diese Frau gilt gesichert als Behinderte, da sie in ihrem Alltag aufgrund ihrer Größe auf eine Vielzahl an Hindernissen stößt. Und wenn Sie ihr jetzt den Zugang zur Toilette verweigern, sehe ich mich gezwungen das zur Anzeige zu bringen..."
    
    „Gut, Sie können gehen! Entschuldigen Sie bitte!", erklärte die Angestellte abrupt. „Die Toiletten sind dort drüben!"
    
    „Danke für Ihre Hilfe", meinte Maya und nickte der Dame zu, welche zu ihr hinauflächelte. Sie war wirklich dankbar in dieser für sie unangenehmen ...
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