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Ein Schicksal auf Rädern 11
Datum: 03.06.2026, Kategorien: Widerwillen/Nichteinwilligung,
... Harlows Netz seine Anna längst verschlungen hatte. Wieder auf dem Rückweg hielt Friedrich seinen Sohn eng an seine Brust gedrückt. Das Baby schlief endlich, erschöpft vom ständigen Reisen und der ungewohnten Hitze. Jeder Atemzug des Kindes war ein Stich in Friedrichs Herz. Anna hätte gewusst, was er braucht, dachte er verzweifelt. Sie hätte ihn beruhigt, gestillt, ihm das sanfte Kinderlied vorgesummt, das immer funktioniert hatte. Stattdessen klebte Ziegenmilch, kalt und säuerlich, an Jakobs Wickelkleid, und Friedrichs Versuche, ihn mit dem Schwamm zu füttern, endeten meist in Hustenanfällen und neuem Gequengel. Die Verzweiflung über Annas Verschwinden war zu einem dumpfen, ständigen Schmerz geworden, der sich mit schuldbeladenen Fantasien vermischte: Hatte man sie in eine andere Stadt gebracht? Sah sie gerade einen Freier an und verhandelte ihren Preis mit diesem? Lächelte sie gezwungen, während ihre Lippen sich um einen steifen Schwanz nach oben bogen? Wandte sie den Kopf ab, während ein fremder Körper sich über sie warf oder nahm sie ihn freudig in sich auf, während sie ihm in die Augen schauend angurrte und mit ihren Fersen ihn tiefer in sich hinein drückte? Die Bilder ließen ihn nachts schweißgebadet aufschrecken, beschämend erregt und zugleich zutiefst zerrissen. In der Mitternacht war die Dunkelheit mittlerweile so dick, dass sie fast greifbar schien. Nur das schwache Licht der Laterne am Wagen erhellte ein paar Fuß staubige Straße vor ihnen. Die ...
... Stille wurde nur vom Knarren der Achse, dem Schnauben der Pferde und Jakobs leichtem Schnarchen durchbrochen. Plötzlich ein lautes KRACH! Ein jäher Ruck ließ den Wagen gefährlich schlingern. Tom riss überrascht an den Zügeln, fluchte laut. Ein Vorderrad war tief in ein unsichtbares Schlagloch gerast. Holz war gesplittert, als Tom mit der Laterne hinunterstieg, zeigte sich das Ausmaß: Eine Speiche war gebrochen, eine zweite verbogen. Das Rad hing schief wie ein gebrochener Knochen. Tom kniete sich tifer in den Staub, im fahlen Licht des Halbmondes suchte er verzweifelt nach der genauen Bruchstelle. Seine Finger fuhren über die zerbrochenen Holzstücke. ,,Das wird zu lange dauern in dieser Dunkelheit", murmelte er, seine Stimme klang rau vor Müdigkeit. ,,Brauch' Tageslicht und richtiges Werkzeug, um das notdürftig zu flicken. Mit Seil oder 'nem Holzstück krieg' ich das hier nicht stabil genug für eine Weiterfahrt." Friedrich gähnte unkontrolliert, ein Riss in seiner angespannten Fassade. Er streckte die steifen Arme aus, Jakob rutschte ihm dabei fast vom Schoß. ,,Dann sollten wir uns schlafen legen", seufzte er, die Augen fielen ihm wie schwere Vorhänge zu. ,,Morgen ist auch noch ein Tag. Die Farm läuft ja nicht weg." Sein Blick schweifte in die undurchdringliche Schwärze. Der Gedanke an ein paar Stunden Schlaf auf dem harten Wagenboden, frei von den quälenden Bildern über Anna, war unwiderstehlich. Tom sprang eilig auf, seine Müdigkeit schien wie ...