1. Der Schlüssel zur Versuchung 04


    Datum: 10.06.2026, Kategorien: Liebende Frauen,

    ... unbeobachtet fühlte, huschte sein Blick zu mir herüber, es war weich, verklärt und fast schüchtern. Ein verliebter Junge, der sein großes Geheimnis hütete. Ein kaltes Lächeln huschte über meine Lippen. Eduard hatte ihm nichts gesagt. Der gute versuchte es wohl erst selbst zu regeln, die Sache diskret unter den Teppich zu kehren. Naiv. Nach unserem morgigen Treffen wäre es ohnehin zu spät, ob er sich dann an Jan wandte, war mir schnuppe. Der Deal wäre dann bereits gemacht, Jans Quelle trockengelegt und unwiderruflich zu meinem Flussbeet umgeleitet.
    
    Als ich gegen Ende des Tages meinen Porsche erreichte, die Tür öffnete und mich gerade hineinschwingen wollte, sah ich Bora Tekin. Er verließ das Gebäude, sein massiger Körper warf einen langen Schatten über den Asphalt. Sein Anzug saß wie gegossen, wie ein Symbol unantastbarer Macht. Ich blieb wie angewurzelt stehen und wartete gespannt.
    
    Würde er höflich fragen? Oder würde er mich über die Motorhaube drücken und Details über die „Quelle meines Teamleiters" verlangen? Mein Herz hämmerte mir plötzlich wild gegen die Rippen, in einer seltsamen Mischung aus Angst und... unverständlicher Vorfreude?
    
    Aber sein Blick streifte mich nur. Er musterte mich, langsam, unverhohlen, von den Absätzen meiner Schuhe die Beine hinauf, über die eng geschnittene Hose, die Taille, die Brüste, bis sein Blick schließlich auf meinem Gesicht haftete. Doch in seinen Augen lag nicht das glühende, besitzergreifende Feuer, das ich von ihm kannte. Es ...
    ... war... nichts darin. Ein kurzes, fast gleichgültiges In-Augenschein-Nehmen, als wäre ich ein nichtiges Möbelstück, das er schon hundertemale gesehen hatte. Dann, ohne ein Wort, ohne ein Nicken, stieg er in seinen schwarzen Mercedes, startete den Motor und fuhr an mir vorbei, als wäre ich nur Luft.
    
    Ich stand da und war völlig verdattert, meine Hand lag noch immer auf der Tür meines Wagens. Eine heiße Welle der Scham und Wut schoss mir ins Gesicht. Was war das denn? Hatte es tatsächlich funktioniert? Diese lächerliche, verzweifelte List, nur noch in Hosen zu erscheinen, um ihn abzuschrecken. Hatte diese oberflächliche Geste tatsächlich gereicht, um sein Interesse an mir erlöschen zu lassen? War es so einfach gewesen, mich aus seinem Bann zu befreien?
    
    Und warum, zum Teufel, fühlte sich das wie eine Niederlage an? Warum stieg diese bittere Enttäuschung in mir hoch, diese leere Stelle in meiner Brust, die er soeben mit seiner Gleichgültigkeit gerissen hatte? Ich knüppelte das Gefühl sofort nieder, verbot es mir. Doch die siedende Wut blieb.
    
    Frustriert riss ich die Wagentür auf, warf mich auf den Ledersitz und schlug mit der flachen Hand so heftig gegen das Leder des Lenkrads, dass ein dumpfer Schall durch den Innenraum hallte.
    
    "Du Arschloch", zischte ich. Die Gier nach seiner Anerkennung, nach diesem gefährlichen Spiel der Macht, war stärker als jede Vernunft. Ich schwor mir, während meine Zähne zusammengebissen waren bis sie knirschten.
    
    "Übermorgen. Übermorgen lege ...
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