1. Der Schlüssel zur Versuchung 04


    Datum: 10.06.2026, Kategorien: Liebende Frauen,

    ... Vertragsabschlüssen. In einer kurzen Pause zwischen zwei Anrufen wählte ich die Nummer des "Leonardo", eines mittelklassigen Business-Hotels am Stadtrand und erledigte mein geplantes Vorhaben. Keine Sentimentalität mehr Daniela, kein Risiko diesesmal.
    
    Die Mittagspause musste ich wieder mit Jan verbringen. Er führte mich diesmal in ein Café, und ich erduldete sein Gestochere mit zusammengebissenen Zähnen. Er wollte alles wissen. Meine Kindheit, meine Jugend, wie ich aufgewachsen war. Ich webte ein Märchen aus halbwahren Erinnerungen und dreisten Lügen. Malte ihm eine idyllische Kindheit, mit fürsorgliche Eltern -- die Luftschlösser, die ich mir immer gebaut hatte, während ich von Wohnung zu Wohnung folgte, dorthin, wo meine Mutter ihren neuen Lover gerade gefunden, und in dem sie sich wiedereinmal unsterblich verliebt hatte. Ich redete und redete, während in meinem Kopf nur ein Gedanke pochte: Nur noch ein Tag Geduld. Nur noch heute.
    
    Am Ende, als wir vor dem Aufzug standen, der uns zurück in unsere Büroetage bringen sollte, zog er mich ganz plötzlich an sich, während seine Hände fest auf meinen Hüften lagen.
    
    "Weißt du", sagte er leise, sein Blick hing erwartungsvoll an meinem Gesicht, "ohne Make-up bist du noch schöner. So viel natürlicher. Deine Augen... deine Augen kommen so viel besser zur Geltung. Sie wirken so... ehrlich."
    
    Die Heuchelei die seine Worte in mir auslösten, brachte mich fast zum Würgen. Bevor ich jedoch etwas erwidern konnte, beugte er sich vor ...
    ... und küsste mich. Leidenschaftlicher als zuvor im Restaurant vor dem Italiener. Seine Zunge tastete fordernd meine Lippen ab, und ich öffnete sie, erlaubte ihm den Eintritt, erwiderte den Kuss mit einer einstudierten Hingabe, die mir selbst übel aufstieß. Als der Aufzug pingte, trennten wir uns schießlich atemlos. Seine Wangen waren gerötet. Meine waren es nicht.
    
    Eine Stunde vor Feierabend, um sechzehn Uhr, meldete ich mich bei Jan ab. "Kopfschmerzen", log ich und hielt mir die Hand an die Stirn. Er sah besorgt aus. "Soll ich dich nach Hause bringen?"
    
    "Nein, nein. Ich schaffe das schon." Ich lächelte ihn matt an, und er schluckte den Köder.
    
    Zu Hause angekommen, warf ich meine Handtasche in die Ecke und begann sofort, mich umzuziehen. Die Zeit drängte. Ich duschte nicht, keine Zeit. Doch der Gedanke, den leichten Schweißfilm des Tages auf meiner Haut zu behalten, den Geruch meiner Anspannung, nach meinen Erwartungen, nach dem Kuss eines anderen Mannes -- es war pervers, aber es fühlte sich verboten an. Als wäre ich ein Projektil, die nur darauf wartete, abgefeuert zu werden.
    
    Danach ging ich zum Schrank und holte das schwarze Kleid heraus, das Enzo mir zum letzten Geburtstag geschenkt hatte.
    
    "Für besondere Anlässe", hatte er gesagt, mit diesem schelmischen Grinsen, das mir jetzt das Herz brach. Es war aus einem schweren, fließenden Jersey, knielang, aber brutal rückenfrei. Ein tiefer V-Ausschnitt vorn ließ gerade so viel ahnen, dass ich es bisher nur für ihn zu ...
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