1. Der Schlüssel zur Versuchung 04


    Datum: 10.06.2026, Kategorien: Liebende Frauen,

    ... Hause getragen hatte. Ich ließ die Büroklamotten zu einem Häufchen auf den Boden fallen und schlüpfte eilig hinein. Der Stoff fiel kühl und nachgiebig über meine Hüften, schmiegte sich an jede Kurve, als wäre er speziell für mich gegossen worden. Dann kamen die Strümpfe. Ich setzte mich auf die Bettkante, rollte das feine schwarze Nylon behutsam über meine Beine, Zentimeter für Zentimeter bedeckte es meine helle Haut. Die Naht an der Rückseite musste perfekt gerade sein und dann kamen die Strapsen. Die elastischen Bänder schnappten sich mit einem leisen, vielsagenden Schnapp-Geräusch an die Strumpfnähte. Ein Gefühl von verbotener Weiblichkeit, von ausgestelltem, purem Sex überkam mich. Ich war keine Callcenter-Mirarbeiterin mehr. Ich war wieder eine gewissenslose Jägerin geworden.
    
    Vor dem Spiegel schminkte ich mich nun mit chirurgischer Präzision. Dunkler Lidschatten, der meine Augen zu geheimnisvollen Schluchten machte. Wimperntusche, die jeden Blick zu einer Einladung verzögerte. Ein scharlachroter Lippenstift, der wie eine frisch geöffnete Wunde auf meinem blassen Gesicht einladend leuchtete. Zum Schluss löste ich meine Haare und bürstete sie, bis sie eine glänzende, blonde Mähne war, die mir wild über die Schultern fiel.
    
    Das Ergebnis im Spiegel war nicht ich. Es war die wilde Tigerin. Verstörend schön aber brand gefährlich und sowas von bereit.
    
    Ich warf mir meinen langen, hellen Trenchcoat über und knöpfte ihn zu. In diesem Moment war ich wieder die unschuldige ...
    ... Daniela, die nur hinaus ging. Nur dass unter dem Mantel die lodernde Hölle lauerte. Danach griff ich mir die Autoschlüssel und meine Handtasche, verließ die Wohnung und stieg in den Porsche.
    
    Der Motor heulte auf, als ich auf die Hauptstraße hinausschoss. Mein Herz hämmerte mir bis zum Hals. Die Fährte war gelegt und die Falle gestellt.
    
    Eduard Warkentin, dachte ich, während ich durch den beginnenden Abendverkehr schoss, jetzt heißt es, entweder du oder ich.
    
    Die Lobby-Bar des "Leonardo" roch nach billigem Lederimitat und dem süßlichen Duft von alkoholhaltigen Getränken. Mein Blick scannte den Raum, traf auf ein paar müde Geschäftsleute mit ihren Notebooks, eine lärmende Reisegruppe -- und dann blieb er an der Bar Theke, neben der Lobby hängen. Es konnte nur er sein. Groß, breit gebaut, die Schultern waren deutlich unter dem schlichten Hemd abgezeichnet. Sein Haar war an den Seiten schon etwas licht, weshalb er sie wohl kurz geschoren trug, was seinen markanten Kiefer noch mehr betonte. Seine Augen, waren hell und unruhig, huschten immer wieder zur Eingangstür, und danach auf seine Armbanduhr. Er war gewiss nervös. Und das zurecht. Ich hatte mich absichtlich knapp zehn Minuten verspätet, um ihn im Ungewissen zu lassen.
    
    Ich ließ den Mantel noch an, und schritt auf ihn zielstrebig zu. Die Absätze meiner Stöckelschuhe klackten leise auf den Fliesen, es war wie ein rhythmischer Auftakt meiner Show.
    
    "Eduard Warkentin?", fragte ich mit einer Stimme, die geschäftsmäßig ...
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