1. Die Abenteuer der Maya Klein 05


    Datum: 22.06.2026, Kategorien: Romane und Novellen,

    ... lehnte sich gegen die Wand, die erwartungsvollen Blicke der Freunde auf sich spürend. „Hevi redet nicht. Sie starrt einfach an die Decke."
    
    „Sie steht unter Schock! Das ist doch völlig klar", meinte Baz. „Sie braucht Zeit, um solch einen Verlust zu verarbeiten." Er trat an Manfred heran. „Meine Schwester fängt sich wieder, wirst sehen. Die ist härter im Nehmen, als man glauben möchte."
    
    Can übersetzte für Jeane, welche gerade von einem Telefongespräch zurückkam. Auch sie zeigte deutlich ihre Besorgnis. „I feel her pain."
    
    „Meint ihr, ich kann zu ihr?", fragte Maya.
    
    Manfred sah zu ihr auf, dann nickte er.
    
    Es kostete Überwindung. Sie fühlte sich gegenüber der Freundin hilflos und aus irgendeinem Grund schuldig. Vielleicht weil sie sich nicht in ihre Lage hineinversetzen konnte? Ein Kind wächst in einem heran, man fühlt es, spürt es und von einem Tag auf den nächsten... Sie drückte die Tür auf, bückte sich hindurch, dann ging sie den Gang hinunter. Man konnte in die Zimmer hineinsehen. Rebal, Zelal und Jiyan saßen beim Bett Hevis und hielten von beiden Seiten ihre Hände.
    
    Maya wurde es bleischwer. Sie öffnete die Tür, sah zu dem sonst so keck und unbeschwert dreinblickenden Gesicht ihrer Freundin rüber, welches jetzt starr und maskenhaft wirkte. Dabei waren die Augen der Freundin zur Decke hinauf gerichtet und in ihrem Körper schien jegliches Leben zu fehlen.
    
    Rebal wandte sich zu ihr um, stand von seinem Stuhl auf, um ihr Platz zu machen, und nickte ihr ...
    ... zu. Maya berührte mit ihrer rechten Hand seine Schulter, dann nahm sie auf dem für sie viel zu kleinen Stuhl Platz.
    
    „Hey!" Maya fehlten die richtigen Worte. Sie griff mit ihrer Hand nach der von Hevi, streichelte über den Handrücken, während die Freundin keine Reaktion zeigte. Sie sah einfach zur Decke auf, während Tränen aus ihren Augen rannen. Es ging ihr sehr schlecht, das sah man sofort. Weniger körperlich, sondern vor allem seelisch. Ihr wurde etwas genommen. Das ungeborene Kind, welches sie bereits in ihrem Bauch gespürt hatte.
    
    Wie würde es ihr gehen, in solch einem Moment? Sie war sich sicher, dass sie im ersten Augenblick ähnlich kollabieren würde wie die Freundin. Ein Blick rüber zu Zelal. Die Mutter betete, küsste immer wieder Hevis Handrücken. Auch sie schien ihre Tochter nicht zu erreichen, welche sich ganz weit in ihr Innerstes zurückgezogen hatte.
    
    „Ich habe dich lieb, Hevi!", flüsterte Maya. „Wenn ich nur wüsste, wie ich dir helfen kann."
    
    Sie fühlte einen sanften Druck von Hevis Hand. Ein Zeichen, dass sie gehört worden war. Maya fühlte Erleichterung. Hevi war da, hatte sie gehört, wahrgenommen, kam aber mit dieser Situation nicht zurecht. Wie auch? Das war doch gar nicht möglich.
    
    Fast eine Stunde blieb sie im Zimmer. Gulistan kam schließlich und so räumte Maya ihren Platz, küsste die Hand ihrer lieben Freundin, dann trat sie aus dem Zimmer.
    
    Krankenpflegerinnen und -pfleger sahen mit müden Gesichtsausdrücken zu ihr auf, wirkten gestresst und ...
«12...91011...27»