1. Die Abenteuer der Maya Klein 05


    Datum: 22.06.2026, Kategorien: Romane und Novellen,

    ... nicht verstanden hatte. War vielleicht sie schuld? Hätte sie nicht nach Köln gehen dürfen?
    
    „Ich glaube, die braucht einen Reset!", meinte Sascha. Er setzte sich ebenfalls an den Tisch und blickte nachdenklich in die Runde. „Vielleicht ist es wirklich so, dass sie glaubt, eine riesen Scheiße gebaut zu haben. Wahrscheinlich hat sie sogar Recht damit. In ihrem bisherigen Leben sind Glauben und Familie alles. Sie hat sich über beides hinweggesetzt."
    
    „Und die Strafe sieht dann so aus, dass sie ihre Familie und ihre Freunde verstößt?", fragte Manfred entgeistert. „Sie hatte doch umgekehrt vor nichts mehr Angst gehabt. Wie kann sie das jetzt anderen antun?"
    
    „Es muss doch nicht logisch sein, Manne. Sie sucht für sich einen Ausweg und glaubt, ihn hier gefunden zu haben."
    
    Maya sah nachdenklich zu ihrem Freund hinüber. Ein langer Moment des Schweigens, dann drang es aus ihr heraus. „Ich habe am Donnerstag einen Menschen erschossen!"
    
    Die beiden Jungen hatten sie gehört, doch brauchten sie einen langen Augenblick, bis sie das Ausmaß ihrer Worte verstanden hatten. Ihre beider Blicke richteten sich auf sie, während sie einfach zu erzählen begann.
    
    „Ihr habt von dieser Schießerei am Bahnhof gehört? Ich war dabei. Männer haben von einem Dach aus auf meine Kollegen geschossen. Sogar mit so einer Art Kanone. Sie haben immer besser getroffen und ich habe Befehl bekommen, die beiden auszuschalten. Es hatte schon Verluste bei uns gegeben. Da habe ich es getan. Es war ganz ...
    ... einfach. Ich hob dieses Ding unter meinen Arm, schoss ein paar Kugeln in die Richtung zweier weißer Flecke und dem einen der Kerle hat es Schulter samt Arm weggerissen. Diese Teile fehlten einfach."
    
    Saschas Mund öffnete sich, er wollte etwas entgegnen, doch sie winkte ab.
    
    „Im Grunde genommen geht es mir jetzt wie Hevi. Ich weiß, dass ich nichts falsch gemacht habe. Dieser Mann hat Menschen getötet und wollte weiteren das Leben nehmen, aber trotzdem verstößt mein Handeln gegen alles, was ich für mein Leben selbstverständlich gehalten habe, versteht ihr, was ich meine? Es fühlt sich einfach falsch an, einem Menschen sein Leben genommen zu haben." Sie schüttelte ihren Kopf. „Bei Hevi ist es eigentlich nicht anders. Sie wurde dazu erzogen, das, was sie getan hat, als Verbrechen zu sehen. Sie hatte vorehelichen Sex, ohne Erlaubnis ihrer Eltern. Etwas völlig Normales bei uns. Sie hat ihre Eltern belogen und versucht, mit Betrug aus dieser Bredouille um die Schwangerschaft herauszukommen. Auch das ist bei uns gang und gäbe. Man lügt, um sich zu schützen. Wahrscheinlich hätte man sogar Verständnis dafür erwarten dürfen. War ja auch eine beschissene Situation. Aber in ihrer Welt ist das eben anders. Und würde man ihr erlauben, so weiterzuleben wie bisher, wäre das wahrscheinlich sogar die größte Strafe für sie."
    
    Manfred sah sie an. Die Wucht um den Verlust seiner Hevi schien mit ihren Worten etwas nachgelassen zu haben. „Du hörst auf?", fragte er leise.
    
    Maya verneinte. „Nein! ...
«12...151617...27»