1. Der Student


    Datum: 23.06.2026, Kategorien: Erotische Vereinigung,

    ... Email-Einträge. Leider tat sich nichts, und die Einstellung eines neuen Klingeltons brachte keine Besserung.
    
    War Charly überhaupt in Münster? Sie hatte nichts von einer Reise gesagt, aber das musste nichts heißen; vielleicht hatte die Familie sie gerufen. Es konnte etwas passiert sein, man wusste ja nie, und viele würden doch dann sich sofort aufmachen. Er selbst, nun ja, er würde eine kurze Nachricht hinterlassen, für... für alle Fälle. Aber für wen? Was war Charlene Brown denn eigentlich für ihn?
    
    Er seufzte. Sie hatten heftigen, guten - nein: sehr guten! - Sex gehabt. Charly hatte ihn dazu eingeladen, eigens dazu, und zum Dank hatte er dafür gesorgt, dass sie bei ihm auf ihre Kosten gekommen war. Umgekehrt war das auch der Fall gewesen, zu einhundert Prozent. Charly hatte ihn am Morgen verabschiedet, ein gemeinsames Frühstück war nicht zustande gekommen, weil sie genau das längst mit einer Freundin verabredet hatte. Es hatte dafür dieses wunderbare Schinkenklopfen gegeben, und einen Abschiedsfick.
    
    Aber was, zum Henker, wusste er eigentlich von ihr? Eine Europäerin war sie, so hatte sie sich auch genannt, mit englischem Vater und deutscher Mutter. Im Studium war sie weiter als er, studierte im vierten Semester, Anglizistik und Romanistik. Ihr Traum war es nicht, Professorin zu werden, so wie er sich gerne habilitieren würde, zumindest wenn sich ein nicht allzu langwieriger Weg dorthin auftun würde. Charlene strebte danach, einmal im Ausland zu unterrichten. ...
    ... Das verstand er, es war nachvollziehbar. Ansonsten war das Mädel Mitte zwanzig, drei Jahre älter als er. Sie lebte vom Bafög und verteilte ab und zu Broschüren vor dem Theater, das brachte etwas Geld.
    
    Im Kern war sie arm und machte kein Geheimnis daraus. Er an ihrer Stelle hätte das eher verborgen, bei ihr machte ihm das nichts aus -- das Materielle insgesamt. Er hatte kein Verhältnis dazu. Wie groß sein Vermögen derzeit war, wusste er gar nicht.
    
    Er kaufte eine Menge Bücher -- und Fossilien, oder Tierpräparate insgesamt. So etwas sammelte er nun mal. Charly hatte darüber gelacht und sein Hobby `interessant´ gefunden.
    
    Von ihr wusste er nichts Vergleichbares. Immerhin konnte er angeben, dass sie Vegetarierin war, und dass sie gerne ein weich gekochtes Ei zum Frühstück genommen hätte. Wenn sie denn mit ihm gefrühstückt hätte. Es war nicht viel, was er von Charlene Brown wusste, das musste er einräumen. Aber er war letztlich auch nur ein paar Stunden am Stück mit ihr zusammen gewesen. Immerhin wusste er auch ihren Namen und ihre Adresse im Wohnheim, das war etwas, darauf ließ sich doch aufbauen.
    
    Ließ sich das? Er hatte, vor allem anderen, mit ihr geschlafen, einmal, zweimal, dreimal. Auch in der heutigen Zeit musste das doch etwas bedeuten! Ihm bedeutete es etwas, sehr viel sogar, um falsche Bescheidenheit beiseite zu räumen.
    
    Er wollte es wieder tun, keine Frage.
    
    Er bekam diese Frau nicht aus dem Sinn. Diese personifizierte Unkompliziertheit, Sinnlichkeit, ...
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