1. Andreas - der Schlüssel


    Datum: 14.08.2026, Kategorien: Erotische Vereinigung,

    ... fünf Minuten zu spät. Natürlich.
    
    Als sie eintritt, trägt sie keinen Lippenstift, keine Ohrringe. Nur Jeans, Pulli und diesen Blick, der dich durchbohrt. Ich stehe auf, um sie zu umarmen. Sie weicht nicht zurück. Aber sie umarmt auch nicht richtig. Ein halber Körper. Ein ganzes Urteil.
    
    Wir setzen uns.
    
    „Ich weiß, wie's ausgesehen hat", beginne ich.
    
    „Du hast keine Ahnung, wie's ausgesehen hat", sagt sie. "wie eine Nutte mit ihrem Freier seid ihr aus dem Keller gekommen. Aber du wirst es mir erklären. Und ich werde entscheiden, ob ich dich schütteln oder retten will."
    
    Ich nicke. Trinke einen Schluck. Dann rede ich.
    
    Von der Begegnung. Von seinem Blick. Vom Männerklo. Von meinem Wunsch, dass es mehr ist. Von meinem Irrglauben, dass Kontrolle auch Nähe bedeutet.
    
    Ich rede zu viel. Zu lang. Zu schnell.
    
    Sie hört zu. Stirn in Falten. Arme verschränkt. Kein einziges Lächeln. Dann legt sie das Glas ab. Und sieht mich an. Lange.
    
    „Verena", sagt sie leise. „Was zur Hölle stimmt nicht mit dir?"
    
    Ich zucke. Aber ich nicke. „Einiges."
    
    „Du lässt dich ficken wie ein Gegenstand und hoffst, dass er dich irgendwann als Mensch wahrnimmt?"
    
    „Es war... anders."
    
    „Weil er dir einen Blick zugeworfen hat, nachdem er in dir gekommen ist? Oder weil er dich heimlich mag, aber zu beschäftigt ist, es dir zu sagen? Du redest dir da was zusammen, das stinkt."
    
    Ich atme tief ein. Mein Hals ist eng.
    
    „Ich weiß, wie es klingt. Aber ich brauche ihn irgendwie. Oder das ...
    ... Gefühl, gebraucht zu werden."
    
    „Gebraucht? Von jemandem benutzt werden, der dich nur nimmt, wenn du ihm einen Schlüssel hinlegst? Was ist das, Verena? Selbsthass als Beziehungskonzept?"
    
    Ich senke den Blick. Meine Augen brennen.
    
    „Ich will nur nicht allein sein", flüstere ich.
    
    Caro lehnt sich zurück. Atmet hörbar durch.
    
    „Du bist nicht allein", sagt sie dann. „Du hast mich. Du hattest immer mich. Du musst mich nur nicht anlügen. Oder mich zwingen, dir beim Kaputtgehen zuzusehen, ohne was sagen zu dürfen."
    
    „Ich hab dich nicht angelogen", sage ich.
    
    „Aber du hast dich von mir abgewendet, als du mich am meisten gebraucht hast."
    
    Diese Worte sitzen. Ich schlucke. Dann sage ich das Einzige, was zählt:
    
    „Es tut mir leid." Pause.
    
    Caro trinkt ihr Glas leer. Dann schaut sie mich an.
    
    „Ich bin stinksauer. Und enttäuscht. Und traurig. Aber ich hau dir nicht ab."
    
    Ich nicke. Und bin plötzlich sehr nah am Weinen.
    
    „Aber, Verena...", fährt sie fort. „Du musst aufhören, zu hoffen, dass toxische Männer dich retten. Du bist klug, aber du hörst nicht auf dich. Wenn du das nicht änderst, kann ich dir zwar die Hand halten -- aber rausziehen musst du dich selbst."
    
    Ich nicke wieder. Schlucke.
    
    „Und du bleibst?"
    
    „Ich bleibe", sagt sie. „Aber ich werde dich so lange nerven, bis du wieder wie du selbst klingst."
    
    Ich lache. Leise. Erleichtert.
    
    Später, als wir draußen stehen, um uns zu verabschieden, fragt sie:
    
    „Willst du ihn wiedersehen?"
    
    Ich überlege. Dann ...
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