1. Ausraster (Teil 3 von 3)


    Datum: 18.08.2026, Kategorien: Schamsituation

    ... Pflegerin, die mir verkündete, dass der Herr Doktor nun Zeit hätte. Allerdings, erklärte sie, würden wir die Station verlassen, weswegen wiederum „bewegungseinschränkende Maßnahmen“ zu ergreifen seien. Vor aller Augen legte sie mir wieder die Gurte an, die meine Hände fesselten und meine Schrittlänge begrenzten, so wie ich es am Abend zuvor bereits kennengelernt hatte.
    
    Sie führte mich über weitere endlose Gänge, so dass ich das Gefühl bekam, dass nun auch der allerletzte Trottel, der sich in diesem Krankenhaus aufhielt, in den Genuss gekommen war, sich einen Blick auf mich zu gönnen.
    
    Schließlich wurde ich in einen Raum geführt, in dem sich als einziges Möbelstück ein Schreibtisch befand, hinter dem ein Mann im weißen Kittel saß, der in Fünfzigern war. Er starrte auf einen Computermonitor. Eine Sitzgelegenheit für mich gab es nicht, also blieb mir nichts anderes übrig, als zwei Meter vor dem Schreibtisch stehenzubleiben.
    
    Der Mann ignorierte mich.
    
    „Ich …“, begann ich nach einer Weile, aber er hob nur die Hand, um mir zu verstehen zu geben, dass ich schweigen sollte. Also schwieg ich.
    
    Doch dann sah er mich an, musterte mich von oben bis unten.
    
    „Was fühlen Sie?“, fragte er.
    
    „Ich … na ja. Scham“, antwortete ich.
    
    „Weswegen?“, wollte er wissen.
    
    „Ist das nicht offensichtlich?“ Ich sah an mir herunter.
    
    „Fassen Sie es in Worte“, forderte er mich auf.
    
    Ich holte tief Luft. „Ich bin in Strumpfhose. Darunter trage ich deutlich sichtbar eine Windel und ...
    ... eine Plastikhose. Zudem bin ich an Händen und Füßen gefesselt – und kommen Sie mir jetzt nicht damit, dass Sie das irgendwie anders nennen. In diesem Aufzug darf mich mich hier jeder begaffen. Und da soll ich mich nicht schämen?“
    
    „Doch“, sagte der Arzt. „Das sollen Sie.“
    
    „Was?“, fragte ich irritiert.
    
    „Sie sind nicht psychisch krank“, stellte er fest.
    
    „Nein, das glaube ich auch nicht.“
    
    „Eine Selbstdiagnose ist in diesem Bereich nicht immer unproblematisch. Aber sei‘s drum, Sie sind nicht psychisch krank, aber dennoch haben Sie eine Ladeneinrichtung zertrümmert.“
    
    „Das ist vielleicht ein wenig übertrieben formuliert.“
    
    „Halten wir uns nicht an Formulierungen auf. Sie haben es getan, in welchem Umfang auch immer.“
    
    „Ich stand unter hohem Druck“, erklärte ich.
    
    „Das tun andere Menschen auch“, wandte der Arzt ein, „aber die wenigsten werden deswegen gewalttätig. Es ist ganz einfach so: Sie haben sich gehen lassen – und damit einen Sachschaden verursacht und andere Menschen in Gefahr gebracht.“
    
    „Das tut mir leid.“
    
    „Tut es das? Eine juristische Strafe haben Sie kaum zu erwarten. Sie sind nicht vorbestraft, und wenn Sie sich einen guten Anwalt nehmen, wird er Sie da schon rauspauken. Wir hier sind in solchen Fällen aber durchaus der Meinung, dass eine Art Bestrafung sowohl angemessen als auch heilsam ist.“
    
    Ich überlegte einen Moment. Ich sah wieder an mir herunter. „Und deswegen die ganzen Demütigungen? Das machen Sie alles nur, um mir eine Lektion zu ...