1. Ein unerwarteter Segeltörn Komplett


    Datum: 20.08.2026, Kategorien: Erstes Mal

    ... kurzer Zeit so viel über eine andere Person erfahren? Papa hat früher einmal erzählt, dass, wenn eine Gruppe von Leuten herausfinden wollte, ob sie auf einem Boot längere Zeit gut miteinander auskämen, sie sich in einem Badezimmer über ein Wochenende zusammen einschließen sollten.«
    
    »Stimmt, Papa hat früher diesen Vorschlag gemacht, da wir nicht sicher waren, ob wir es miteinander aushalten würden«, bestätigte Helena lachend.
    
    »Und, wenn alle Stricke reißen sollten, könnten wir es immer noch wie einen Unfall aussehen lassen.«
    
    »Wie meinst du das?«
    
    »Nun, du weißt doch, die Nordsee ist groß und das Wasser ist kalt...«
    
    »Du bist unmöglich, Melanie!«, beschwerte sich Helena lachend und knuffte sie freundschaftlich in den Arm. Sie legte sich zurück auf ihre Koje und blickte an die Decke. Nach einer Weile fragte sie: »Und, was hältst du von ihm?«
    
    Melanie hatte damit gerechnet, dass sie die Frage früher oder später gestellt bekommen würde. Sie hatte sich vorgenommen, neutral zu bleiben, und vor allem, hatte sie ihm versprochen, nichts von dem zu erzählen, was sie von ihm wusste. Daher antwortete sie: »Ich habe ihn vergleichbar wahrgenommen, wie du. Er ist zuvorkommend, freundlich und hilfsbereit. Ich würde nicht sagen, dass ich unter seinen Händen dahingeschmolzen bin. Aber es war... es war sehr angenehm. Wenn ich mitbekäme, dass er sich für mich interessieren würde, würde ich schauen wollen, was für ein Mensch er ist.«
    
    »Du hast recht. Trotz allem, was ich erlebt ...
    ... habe, darf ich mich nicht verkriechen, sondern sollte mir wachem Auge nach vorne schauen. Du bist die beste Schwester, die ich mir vorstellen kann! Ich liebe dich!«
    
    »Ich liebe dich auch! Mach dir nicht zu viele Gedanken!«
    
    Ein ›alles wird gut‹ verkniff sie sich. Stattdessen sagte sie: »Schlaf gut, Schwesterherz!«
    
    »Du auch!«
    
    Tag 7 - Die Fahrt nach London
    
    Am Samstag segelten sie erst am späten Morgen los, da sie die Gezeiten ausnutzen wollten. Das ablaufende Wasser half ihnen, den Blackwater schnell hinabzufahren und das danach auflaufende Wasser, die Themse hinauf gegen die Flussströmung an zu kommen.
    
    Gegen sechs Uhr abends hatten sie die äußere Themsemündung erreicht. Thomas fragte, ob sie etwas gegen Pfannkuchen à la carte einzuwenden hätten. Sie freuten sich über das Angebot, insbesondere, da er sich die Mühe machen wollte, ohne elektrischen Rührer, Eischnee aufzuschlagen. Später konnte sich jede aussuchen, was sie auf ihre Pfannkuchen haben wollte.
    
    Dank günstigen Windes segelten sie die gesamte Strecke flussauf. Zunächst kamen sie an den großen Raffinerien vorbei, später am Millennium Dome. Sie passierten den nullten Längengrad und gegen elf Uhr bogen sie um die letzte Kehre des Flusses vor ihrem Ziel und sahen die hell erleuchtete Tower Bridge vor sich. Für alle war es ein erhebender Moment, dieses berühmte Wahrzeichen segelnd erreicht zu haben. Da der Jachthafen, die St. Katharine-Docks, nur über eine Schleuse zu befahren war, und diese um kurz vor ...
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