1. Onkel Roberts Tagebuch 2


    Datum: 22.08.2026, Kategorien: Voyeurismus / Exhibitionismus

    ... Brust.
    
    „Nicht jetzt“, flüsterte sie. Kein Tadel. Kein Ablehnen. Nur ein stilles Stoppen, freundlich und bestimmt zugleich.
    
    Ich stutzte, etwas überrascht. Aber in ihrem Blick lag etwas, das mich sofort beruhigte – etwas, das sagte: Es war echt. Aber wir müssen vorsichtig sein.
    
    Also nickte ich nur.
    
    Wir aßen still, aber nicht schweigend. Es war eine angenehme Ruhe, die uns umgab – eine, die anders war als früher. Etwas war zwischen uns gewachsen. Nicht laut, aber deutlich.
    
    15. Juni 1944
    
    In diesen Tagen vergaß ich manchmal, wie nah der Krieg war. Die Arbeit auf dem Hof, das gleichmäßige Wachsen der Heuernte, die Nähe zu Elise – all das schuf eine Ordnung, die sich fast echt anfühlte. Es gab Stunden, in denen ich glaubte, wir hätten uns eine kleine Insel geschaffen, abgeschirmt von allem, was draußen tobte.
    
    Doch ich merkte auch, wie fragil diese Ruhe war. Ein Geräusch auf dem Weg, ein fremder Blick vom Feldrand, ein Motor in der Ferne – all das reichte, um mein Herz schneller schlagen zu lassen. Ich wusste, dass das, was wir lebten, nur im Verborgenen existieren konnte. Zwischen Arbeit und Schweigen.
    
    Zwischen Berührung und Vorsicht.
    
    Heute hatte sich gezeigt, wie schnell alles zerbrechen kann.
    
    Ich schreibe mit zitternden Händen. Vielleicht, um das Zittern loszuwerden. Vielleicht auch, um überhaupt zu begreifen, was heute geschehen ist.
    
    Seit Tagen hören wir von den Nachbarn nur noch Bruchstücke aus der Ferne. Ihre Verwandten im Westen berichten, ...
    ... dass die Alliierten in der Normandie nur langsam vorankommen. Es soll Kämpfe geben, wie sie sich niemand vorstellen kann – ganze Orte dem Boden gleichgemacht, Felder voller Rauch und Metall. Hier im Elsass spürt man davon fast nichts. Der Himmel ist derselbe, die Felder wachsen weiter, und nur der Mangel an jungen Männern fällt auf. Die meisten sind wohl an irgendeiner Front, weit weg, wo das Donnern herkommt. Manchmal glaube ich, das Land hält den Atem an, bevor ein Sturm losbricht.
    
    Heute aber hat der Krieg seinen Fuß auf diesen Hof gesetzt. Und auf meine Brust.
    
    Am späten Vormittag tauchte ein deutscher Zweiertrupp auf, ein Kübelwagen, staubig, schlecht gelaunt. Sie wollten nur Eier – so sagten sie. Elise sah sie zuerst und blieb erstaunlich ruhig. Ich aber war draußen, zu nah, ohne Möglichkeit mich rechtzeitig zu verstecken. Ich hörte ihre Stiefel, hörte ihre Stimmen, und wollte mich gerade ducken, da rutschte mir – aus reinem Reflex – ein deutscher Satz heraus. Ein dummer, kurzer Satz. Vielleicht nicht einmal laut. Aber laut genug.
    
    Ihre Köpfe fuhren herum wie bei Hunden, die Witterung aufnehmen. Einer kam gleich auf mich zu, der andere sagte etwas, das ich nicht verstand – und doch verstand ich alles. Misstrauen. Neugier. Besitznahme. Sie wollten mich mitnehmen. „Für Fragen“, sagten sie, und einer streckte die Hand aus, um mich am Kragen zu packen.
    
    In diesem Moment riss etwas in mir. Ich rannte.
    
    Ich weiß kaum noch, wie. Ich hörte Elise rufen, hörte die Soldaten ...
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