1. Onkel Roberts Tagebuch 2


    Datum: 22.08.2026, Kategorien: Voyeurismus / Exhibitionismus

    ... fluchen, hörte den Motor des Kübelwagens anspringen. Die Felder flogen an mir vorbei, und der Wind schnitt mir die Luft aus der Brust. Hinter mir das Knattern des Motors, immer näher. Ich sah einen flachen Graben – nicht mehr als ein Schatten im Gras – und sprang im letzten Moment darüber.
    
    Der Fahrer sah ihn nicht.
    
    Es gab ein Krachen, ein hässliches, berstendes Geräusch, und dann überschlug sich der Wagen wie ein Tier, das stolpert und sich selbst zerreißt. Metall kreischte, Holz splitterte, Glas zersprang. Dann Stille. Nur mein eigenes Atemrasen, und das Rascheln des Grases, das sich wieder aufrichtete.
    
    Ich wagte mich später zurück, aus sicherer Entfernung. Beide Soldaten waren tot. Es sah nach einem Unfall aus, einem jener blinden Schicksalsschläge, wie sie in diesen Zeiten überall lauern. Niemand sonst war in der Nähe. Es wäre leicht gewesen zu glauben, dass der Krieg sie geholt hat, nicht ich.
    
    Erst sehr viel später kam ein weiterer Trupp. Vermutlich waren die beiden vermisst worden. Die Männer sahen sich um, fluchten leise, schleppten die toten Kameraden weg. Sie blickten nicht einmal richtig über das Feld, sie suchten keine Spuren. Für sie war es offenbar nur ein weiterer Verlust in einem Krieg, der schon so viele verschluckt hat. Niemand stellte Elise Fragen. Niemand sah in meine Richtung.
    
    Ich hatte unheimliches Glück. Unverschämtes Glück. Glück, das einem fast Angst macht.
    
    Doch seit heute fühlt es sich an, als wäre der Krieg nicht mehr irgendwo da ...
    ... draußen, sondern direkt hier, zwischen unseren Bäumen, in den Furchen der Felder, im Staub auf meinen Händen. Er hat mich beinahe berührt, fast gepackt, fast fortgerissen. Und ich weiß nicht, ob ich jemals wieder ruhig schlafen kann.
    
    23. Juni 1944
    
    In den Tagen danach wurde alles wieder leiser. Nicht sicherer – nur leiser. Der Hof nahm seinen gewohnten Rhythmus wieder auf, als hätte er den Zwischenfall einfach verschluckt. Niemand sprach darüber. Elise stellte keine Fragen mehr, und ich stellte keine. Wir taten, was getan werden musste, weil es das Einzige war, was Halt gab.
    
    Ich schlief schlecht, wachte oft auf, horchte in die Dunkelheit und lauschte auf Geräusche, die nichts bedeuteten. Doch mit dem Morgen kam die Arbeit, und mit der Arbeit kam die Bewegung, die den Gedanken keinen Raum ließ. Solange meine Hände beschäftigt waren, blieb die Angst im Hintergrund.
    
    So kam es, dass wir eines Tages wieder hinausgingen zur Heuernte. Die Sonne stand hoch, und der Duft frisch gemähter Wiesen lag in der Luft. Wir arbeiteten Seite an Seite, und hin und wieder sah ich Nachbarn am Weg stehen, wie sie kurz auf den Hof blickten und uns zuwinkten. Die Geschichte vom „Neffen“ hatte sich wohl schon überall herumgesprochen. Ich spielte mit – es war leichter so.
    
    Der Hof hatte eine kleine Feldscheune, etwas abseits vom Wohnhaus. Gegen Mittag trugen wir die ersten Heugarben hinein. Die Luft darin war warm, staubig, erfüllt vom trockenen Duft des Sommers. Licht fiel in schmalen Linien ...
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