1. Anschluss unter dieser Nummer


    Datum: 12.09.2026, Kategorien: Reif

    ... Johannes, inzwischen trafen wir uns auch mal mit Freunden von ihm. An diesem Wochenende hatte eine Freundin von ihm Geburtstag und wir waren beide zu einem Fest im Garten der Eltern ihres Freundes eingeladen.
    
    Gleich am Montag in der darauffolgenden Woche rief mich Wolfgang am Abend an und fragte, ob er mich ein letztes Mal zu sich einladen dürfe. Das konnte ich ihm unmöglich abschlagen und sagte ihm zu.
    
    Nach einem Essen, welches er für mich gekocht hatte, legte Wolfgang mir eine längliche Schachtel auf den Tisch, die ich mit klopfendem Herzen öffnete. Darin lag eine klassische, ikonische Uhr, Silber, ein rechteckiges Zifferblatt mit römischen Ziffern. An der Bewegung des Sekundenzeigers sah ich, dass es eine mechanische Uhr sein musste. Auf der Krone befand sich ein kleiner, flacher Edelstein. Die Uhr hatte ein dunkelblaues Armband, sie war der schlichte perfekte Wahnsinn.
    
    „Wolfgang ...", wieder einmal fehlten mir ihm gegenüber die Worte.
    
    „Ich bedanke mich bei dir für die wundervolle gemeinsame Zeit, die wir miteinander hatten. Durch dich habe ich aus meiner Trauer herausgefunden, habe Freude und Lebensmut wiederentdeckt. Mach' dir um mich keine Sorgen, zu sagen, ich wäre in meinem Alter wie neugeboren, ist übertrieben, aber ein wenig fühle ich mich so ... das ist dein Werk ..."
    
    Mir rannten Freudentränen über das Gesicht, viel zu sagen hatte ich ihm nicht, dafür umarmte ich ihn, bedeckte sein Gesicht mit Küssen und nicht viel später lagen wir gemeinsam im ...
    ... Bett.
    
    Meine letzte Nacht bei ihm, stand der vorangegangenen bei mir in nichts nach, eher im Gegenteil.
    
    Bei unserem letzten gemeinsamen Frühstück liefen mir erneut Tränen über das Gesicht, dieses Mal nicht vor Freude. „Liebes ... Susanne ... schau nach vorn ... nicht zurück zu mir ... ergreif', was vor dir liegt und mach was daraus, du hast es dir wirklich verdient!"
    
    Wieder fehlten mir die Worte, ich heulte in seinen Armen wie ein Schlosshund, war kaum zu beruhigen. Ich kam mir wie eine Schülerin vor, die in den Armen ihres Vaters aus Liebeskummer Rotz und Wasser heulte. Wolfgang schaffte es, mich zu beruhigen, sodass wir uns schließlich ein letztes Mal umarmten und voneinander verabschieden konnten.
    
    Dass ich auf dem Heimweg mit dem vom ganzen Heulen verwässerten Blick nicht noch einen Unfall gebaut habe, ist ein Wunder.
    
    Noch im selben Monat fanden Johannes und ich einen passenden Hochzeitstermin. Das Fest fand erst zehn Monate später statt. Es war ein Datum, welches mir immer Glück gebracht hatte.
    
    Die Uhr von Wolfgang trug ich, seitdem er sie mir überreicht hatte, nahezu täglich. Selbst auf unserer Hochzeit, er, der die Größe gehabt, mich zu meinem Mann und dem gemeinsamen Vorhaben zu beglückwünschen, von ihm wollte ich auf diesem Fest etwas dabeihaben.
    
    Sieben Monate nach der Hochzeit bekamen wir eine Tochter. Meine Arbeit hatte ich gekündigt, war zu ihm gezogen, in eine neue Wohnung, die wir kurz vor der Geburt gefunden und bezogen hatten. In diese Wohnung ...