1. Venus und Adonis


    Datum: 17.09.2026, Kategorien: Verführung

    ... Klirren der Maschen, die sie hielten, konnten sie hören, und ließ eine Ahnung aufkeimen, die sich in der nächsten Sekunde bewahrheitete.
    
    Vulkan trat hinter einer alten Eiche hervor. Mars bäumte sich auf, aber seine Kräfte waren nutzlos gegen das kunstvolle Gebilde. Vulkan verschränkte die Arme und er rief die anderen Götter zusammen, um Venus und ihren Geliebten zur Schau zu stellen. "Seht her, meine Freunde!", sprach er mit einer Stimme, die vor Schmerz und Triumph bebte. "Die untreue Frau samt unrühmlichem Liebhaber gefangen in einem geschmiedeten Sack!"
    
    Die Götter versammelten sich und betrachteten das Liebespaar in ihrer misslichen Lage. Mars versuchte, sich von Venus zu lösen, wurde allerdings von der Spannung des Netzes stets zurückgeworfen. Ihre nackten Leiber rieben aneinander. Mars" Lanze stand schon wieder halb auf und strich über Venus Muschelchen.
    
    Antonius legte das Buch zur Seite. Sein Atem ging unregelmäßig.
    
    War es nicht merkwürdig? Vera verließ das Haus kaum. Sie, diese Verkörperung von Schönheit und Sinnlichkeit, lebte fast zurückgezogen. War es nur aus häuslicher Treue? Oder hatte Bert sie im Haus gehalten, weil er sie bei einem Seitensprung in flagranti ertappt hatte?
    
    Folgte Vera ihrer Leidenschaft, bis sie von einem Netz gefangen wurde? War Bert ihr Vulkan, der sie in seinem Heim einsperrte, damit sie nie wieder in Versuchung geriet?
    
    ***
    
    Die Sonne stand blutrot über dem Horizont. Bert hatte nicht frühmorgens das Haus verlassen, ...
    ... sondern seine Sachen gepackt. Er musste für den Rest der Woche in eine andere Stadt, ein Reparaturauftrag wartete dort auf ihn. Mehrere Tage würde dieser voraussichtlich in Anspruch nehmen.
    
    Bert schnappte seinen Werkzeugkoffer zu und fixierte seinen Neffen. "Ich bin auf Montage", sagte er knapp und legte seine große, schwere Hand auf Antonius' Schulter. "Pass mir auf Vera und das Haus auf."
    
    Antonius schluckte.
    
    "Lass sie nicht raus."
    
    Berts Stimme klang nicht nur wie eine Anweisung - gleichzeitig wie eine Warnung. Sein Blick ruhte auf Vera, deren Gesicht sich nicht rührte, doch ihre Augen waren voller Leben.
    
    "Mach alle Besorgungen für sie. Alles, was sie braucht, bringst du ihr."
    
    Antonius spürte, wie sein Magen sich zusammenzog. Es musste etwas vorgefallen sein, so, wie er es vermutet hatte. Die Geschichten, die ihn im Archiv gefesselt hatten, gewannen eine prickelnde Realität. Aber es war kein Mythos. Es war hier. Jetzt.
    
    Ihr Mann ließ sie kaum aus den Augen - außer, wenn er gezwungen war, sein Heim zu verlassen. Und nun setzte er Antonius, den er selbst ins Haus geholt hatte, an ihre Seite.
    
    Bert nickte ihm zu und zog Vera kurz an sich. "Keine Eskapaden", murmelte er gegen ihr weich fallendes Haar. Dann schritt er zur Tür, sein massiger Körper warf einen Schatten über den Flur. Ein letzter Blick auf Antonius - prüfend, eindringlich -, dann fiel die Tür hinter ihm ins Schloss.
    
    Stille.
    
    Antonius fühlte, wie sich die Spannung in der Luft veränderte.
    
    Er ...
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