1. Megan - Unter Palmen


    Datum: 21.09.2026, Kategorien: Transgender,

    ... okay,angefleht - zu unserem Essen im vollen japanischen Femboy-Manga-Outfit zu erscheinen. Süße weiße Overknee-Strümpfe, plissierter Rock, knappe Bluse. Nur um meiner Mutter die feine Zornesfalte zwischen den Augenbrauen zu verpassen, die ich so liebe.
    
    Aber nein. Alejandro hatte einen Anzug angezogen. EinenAnzug! Mit Krawatte. Als wäre er mein verdammter Business-Coach. Schade.
    
    Das Essen zog sich.
    
    Mutter versuchte, interessiert zu wirken, fragte nach der Schule, nickte bei meinen Antworten - und man konnte förmlich sehen, wie ihr Blick schon in die nächste Vorstandssitzung glitt. Ich war und blieb das unbequem schöne Anhängsel, das man mitfütterte, weil es auf den Familienfotos nett aussah.
    
    „Sorry, ich wäre noch gern geblieben", sagte sie später, schaute auf die Uhr, rief ihre Personenschützerin und stand schon auf. „Ich habe morgen einen wichtigen Termin und muss los. Wenn alles gut geht, bin ich in zwei Monaten wieder daheim und dann machen wir beide, ach sorry, wir drei, Urlaub. Sucht euch schon mal ein schönes Ziel aus. „Malediven vielleicht?"
    
    Die letzten Sätze gingen in den flüchtigen Küssen unter, die sie uns auf die Wangen setzte. Dann verschwand sie - perfekt duftend, perfekt geschminkt, perfekt unerreichbar.
    
    Ich weiß nicht, warum, aber Alejandro nahm in diesem Moment eine Serviette, beugte sich vor und tupfte mir eine Träne von der Wange.
    
    Er tat das so vorsichtig, dass ich ihn fast dafür hasste. Nein, eigentlich hasste ichsie. Sie und ihren ...
    ... verdammten Job.
    
    Draußen glitzerte das Wasser schwarz und still. Drinnen klirrten Gläser. Ich atmete tief ein, zwang mich zu einem schiefen Lächeln und sagte: „Bestell noch was zu trinken. Heute zahltMutter."
    
    Kapitel 6
    
    Später im Jahr ebbt dieser endlose Strom aus Selfie-schwingenden Touristen endlich ab. Das Meer ist nicht mehr voll mit aufblasbaren Einhörnern, und man hört wieder Möwen statt betrunkener Engländer, die „Sweet Caroline" in unheilvoller Lautstärke grölen. Mallorca wird dann ... anders. Ruhiger. Fast schon so, als würde die Insel einmal tief durchatmen, bevor die nächsten Sonnenanbeter einfallen.
    
    Das Wetter spielt in dieser Zeit gerne „russisches Roulette mit der Garderobe". Montag: Bikini und Sonnencreme, weil die Sonne knallt wie im Juli. Dienstag: Doppelpack Strumpfhosen plus die wärmste Unterwäsche, die man finden kann, weil der Wind meint, er wäre ein Gratis-Peelingset für die Haut.
    
    Der geplante Urlaub war natürlich ins Wasser gefallen - im übertragenen Sinn, obwohl es auch geregnet hatte. Ein Unternehmen war mal wieder in Schieflage geraten, und meine Mutter musste „an die Front". Ich weiß bis heute nicht, warum sie ihren Job so martialisch bezeichnet. Für mich war's einfach nur:Scheiß drauf, Baby, Mama rettet die Welt und lässt dich zurück. Aber zugegebenermaßen: Es war mir egal geworden.
    
    Ich hatte immer noch Sex mit Ashley, der allerdings merklich weniger wurde, seit Alejandro und ich irgendwie ein Paar waren. Ja, es passierte einfach so. ...
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