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Ein Gülden Herz 06 - Lernen
Datum: 05.10.2026, Kategorien: Sci-Fi & Fantasy,
Die Verwandlung, sie war es, die Emmi am nächsten Morgen am meisten Sorgen bereitete. Kaum wurde sie wach, stand sie auch schon neben dem Bett und untersuchte ihren Körper. Aber bis auf die Ohren und den Schweif war alles Andere noch immer menschlich. Nichts hatte sich über Nacht verändert. Glücklich darüber hüpfte sie gleich wieder zurück ins Bett und schmiegte sich an mich, solange Gunda noch schlief. Was sie aber eindeutig schon mochte an ihrem neuen Ich, war Ohrenkraulen. Und mir gefiel das auch. Gundas Laune war an diesem Morgen etwas besser. Zumindest hat sie nicht mehr nur vor sich hin gegrummelt, sondern wieder normal mit uns geredet. "Und hattet ihr wieder Spaß heute Nacht?", lächelte sie am Frühstück. Worauf ich schimpfte: "GUNDA! Hast du uns schon wieder zugesehen?". Aber sie war ganz gelassen: "Das brauche ich gar nicht, immer, wenn Emmi nur Schwanz und Ohren hat, weiß ich, was ihr in der Nacht zuvor gemacht habt.", ihr Grinsen konnte nicht noch breiter werden. Danach wurde sie aber wieder ernst. Sie eröffnete uns, weswegen sie uns bis zur Walpurgisnacht bei sich behalten wollte: es war eine große Ehre unter Hexen, wenn sie beim Treffen auf dem Blocksberg neues Wissen präsentieren konnten, das sonst noch keine kannte. Und ein Wolfsherz war in der Tat etwas Interessantes, vor allem, wenn man dazu noch eine erfolgreiche "Heilung" vorzeigen konnte. Nur eines fehlte ihr noch: Mahkah hatte Gunda erzählt, dass Emmi immer wieder zu einem Wolfswesen werden ...
... würde. Diese Information wollte sie ihrem Buch noch hinzufügen. Wie lange das dauert, und wie weit die Verwandlung geht. Jeden einzelnen Schritt, bis sich nichts mehr ändert. "Gunda, ich habe Angst, mich weiter zu verwandeln.", klang Emmi traurig, "Was, wenn ich dann nicht mehr ich bin? Oder wenn ich jemandem ein Leid zufüge?". Nach besten Kräften versuchte Gunda Emmi zu beruhigen. Mahkah hatte ihr schließlich gesagt, dass Emmis Verwandlung nur körperlich sein würde. Trotzdem verstand Gunda Emmis Ängste: "Pass auf Mädchen, gewöhn' dich jetzt erst mal an Ohren und Schwanz und wenn du so weit bist, dann lässt du es geschehen. Wir haben noch genug Zeit bis zur nächsten Walpurgisnacht.". Gunda begann an diesem Tag damit, uns in unseren zukünftigen Alltag einzuweisen. Gleich nach dem Frühstück erklärte sie mir den Weg zu Fritz im Dorf, wo ich arbeiten sollte. Emmi sollte zunächst bei ihr bleiben, und im Haushalt helfen. Gegen Mittag wollten sie ebenfalls ins Dorf kommen, um Brot, Butter, Käse, oder sonst etwas zu tauschen. Tauschen. Gunda kaufte nicht, sie nahm kein Geld dafür, dass sie die Dorfbewohner heilte, und sie zahlte auch nicht mit Geld. Ihre Währung waren ihre Fläschchen und Behandlungen. Das mit den 200 Talern war nur etwas, das uns abschrecken sollte. Die Kleider in ihrem Schrank erhielt sie von den Dorfbewohnern, wenn jemand rausgewachsen war, oder sie sonst nicht mehr brauchte. Deswegen waren sie alle geflickt. Wenn jemand schnell mal was zum Anziehen für ...