1. Ein Gülden Herz 06 - Lernen


    Datum: 05.10.2026, Kategorien: Sci-Fi & Fantasy,

    ... seine Kinder brauchte, kam er es bei ihr wieder abholen, im Tausch gegen etwas zu Essen, eine Reparatur am Haus, oder eine Arbeit im Gemüsebeet (umgraben ließ Gunda immer jemand anderen erledigen), Kochgeschirr, oder was Gunda sonst brauchen konnte.
    
    Für das Dorf wurde es über die Jahre ganz normal, Gunda mit zu versorgen. Im Gegenzug war das Dorf eines der gesündesten im ganzen Land. Kaum jemand war mal längere Zeit krank, und alle konnten sich auf ein langes Leben freuen, in dem sie meist ihre Enkel, wenn nicht sogar die Urenkel, aufwachsen sehen konnten.
    
    Im Grunde galt das auch für Emmi und mich. Wir wohnten bei ihr, wir bekamen Essen und Kleidung bei ihr. Im Gegenzug sollte ihr Emmi im Haushalt, im Garten und bei der Kräuterernte im Wald helfen, oder Gundas Tauschgeschäfte im Dorf erledigen. Ich sollte bei Fritz, dem Tischler des Dorfes, arbeiten, im Tausch gegen Möbel und Holz für notwendige Reparaturen an Gundas Haus.
    
    Bei Fritz angekommen, wollte der erst mal sehen, wie ich arbeitete, weswegen mein erster Auftrag gleich das neue Bett für Emmi und mich werden sollte. Ich fand das ein wenig merkwürdig, dass er mir damit genaugenommen zuerst meinen Lohn gab, und dann meine Arbeit wollte. "Was, wenn ich mit dem Bett abhaue und nie wieder komme?", fragte ich ihn nachdem ich ihn ein bisschen besser kannte. Aber er setzte nur ein unglaublich breites Grinsen auf: "Junge, solltest du das wagen, und Gunda erfährt das, wirst du freiwillig, sogar am Sonntag, von früh bis ...
    ... spät bei mir schuften wollen.". Nach Allem, was ich über Gunda wusste, hatte ich keine Zweifel an seiner Aussage.
    
    Der Tag darauf war schon Sonntag. Der Tag, vor dem sich Gunda gerne gedrückt hätte, das spürte man gleich beim Aufstehen. Ich hatte gleich das Gefühl, dass sie verzweifelt nach einer Ausrede suchte, nicht in die Messe zu gehen, und noch verzweifelter stellte sie fest, dass sie keine fand. Erst recht nicht mehr, nachdem Emmi sie bat, uns zu begleiten. Es schien, als hätte Emmi mit ihrem Lächeln den letzten Widerstand in Gunda geschmolzen. Jedenfalls konnten wir sie danach ohne weitere Verzögerungen zur Kirche führen.
    
    Vor der Kirche musste sie lediglich mal kurz stehen bleiben, sich das Gebäude ansehen und tief durchatmen. Aber als sie dann die verdutzten Gesichter der Dorfbewohner sah, schlich sich ein kleines Lächeln auf ihr Gesicht und beherzt nahm sie die Stufen zum Eingang.
    
    Mir war damals durchaus bewusst, warum Hexen es vermieden, in die Kirche zu gehen. Früher hatte ich gedacht, es liegt daran, dass Hexen mit dem Teufel im Bunde wären, und deswegen schmelzen, wenn sie heiligen Boden betreten, oder irgendetwas in der Art. Aber Gunda hatte mich schnell eines Besseren belehrt: es war die unterschiedliche Sicht auf unsere Gottheit, die im Grunde alle verehren.
    
    Aber bei der versöhnlichen Predigt, die der Pfarrer hielt, sah ich zumindest dieses Mal keinen Grund zur Beunruhigung bei Gunda. Vielleicht hatte der Bürgermeister ihn zuvor angehalten, in seiner ...
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