1. Ein Gülden Herz 06 - Lernen


    Datum: 05.10.2026, Kategorien: Sci-Fi & Fantasy,

    ... Predigt auf Freundschaft, Miteinander und Toleranz einzugehen. Oder vielleicht hat der Pfarrer das selbst gemacht, nachdem er erfahren hatte, welch seltener Besuch kommen würde. Es war egal. Gunda gab jedenfalls später, zurück in ihrem Haus zu, dass die Predigt nicht sooo schlecht war, wie sie es befürchtet hatte.
    
    Der wichtigste Punkt an diesem Tag waren für uns aber die Bekanntmachungen des Bürgermeisters: "Ganz herzlich willkommen heißen möchte ich Gundas Gäste, die bis auf weiteres bei ihr wohnen werden, Emeline und Jakob. Bitte steht mal auf.". Vorsichtig erhoben wir uns. Emmi klammerte sich dabei an meinen Arm und sah sich ängstlich um.
    
    "Emeline ist etwas Besonderes,", fuhr er danach fort, "sie ist ein Wolfsherz. Emeline, würdest du bitte deine Haube abnehmen?". Emmi sah sich verunsichert um, zog dann aber mit zittrigen Händen die Schleife auf und die Haube vom Kopf. Sogleich ging ein "Ooooh" durch die Kirche und ein Mädchen sagte laut: "Mama, die hat ja schöne Ohren. Kann ich sowas auch haben?", gefolgt von einem Lachen, das die ganze Dorfgemeinschaft erfasste.
    
    Das Mädchen machte ein beleidigtes Gesicht, als es feststellte, dass das Dorf über sie lachte. Aber Emmi trat aus unserer Bank heraus, lächelte sie sanft an und forderte sie auf, zu ihr zu kommen. Emmi ging in die Knie und strich dem Mädchen die Haare hinter die Ohren: "Du hast doch schon schöne Ohren. Aber weißt du was? Wenn du willst, darfst du meine mal anfassen.". Emmi senkte den Kopf und etwas ...
    ... zögerlich, unter den gespannten Blicken des Dorfes, tasteten die Finger des Mädchens nach Emmis Ohren: "Ah! Die bewegen sich ja!", schrak das Mädchen auf, begann dann aber, über Emmis Ohren zu streicheln und fasziniert das weiche Fell an ihren Fingerspitzen zu fühlen.
    
    Plötzlich rannte sie zu ihrer Mutter zurück: "Mama, die sind ganz weich und warm.". Und wieder lief ein sanftes Lachen durch die Kirche.
    
    Emmi machte sich nicht mehr die Mühe, ihre Haube aufzusetzen.
    
    Während Gunda ihren Vortrag darüber hielt, was sie über Wolfsherzen wusste, lag mir Emmis Kopf auf der Schulter und ihre Ohren strichen mir über den Nacken.
    
    Ich weiß nicht, ob die Leute etwas von dem mitbekommen haben, was Gunda erzählte, denn die meiste Zeit starrten sie interessiert auf Emmis Kopf. Vor Allem aber war in ihren Gesichtern keine Angst, oder Wut zu erkennen, und das war für uns gut genug.
    
    Vor der Kirche wurden wir schnell in Gespräche verwickelt. Die Leute wollten unbedingt wissen, wer wir waren, wo wir her kamen und was wir noch machen wollten. Als sich dann noch herumsprach, dass wir die Kinder des Tischlers waren, der von seinem eigenen Dorf verbrannt wurde, konnten wir uns vor Beileidsbekundungen kaum noch retten. Es war zu viel. Bis dahin war der Tag so schön, aber all das Bedauern der Dorfbewohner, erinnerte Emmi und mich zu sehr an dieses schreckliche Ereignis. Und bei mir kamen die Bilder des wütenden Mobs wieder hoch, wie sie unsere Eltern erschlugen und ihre reglosen Körper in ...
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