1. Quarantäne in Kapstadt


    Datum: 17.04.2020, Kategorien: 1 auf 1,

    ... auftauche, ist bereits alles für das Abendessen vorbereitet. Schmunzelnd muss ich feststellen, wie komfortabel es mit zwei Frauen doch ist.
    
    "Guten Abend, Daniel! Gut gebadet?", bekomme ich die Quittung für mein faulenzerisches Treiben in Form einer spitzen Frage.
    
    Ich lächle schuldbewusst.
    
    Es gibt mir unbekannten Schinken mit unbekanntem Käse. Eigentlich ist auch das Brot mir unbekannt. Aber es schmeckt gut. Während dem Essen läuft der Fernseher mit einem Nachrichtensender und bombardiert uns mit entmutigenden Corona-Zahlen. Zum Glück gibt es auch einen Kanal mit Tierfilmen. An dem bleiben wir hängen, bis gegen 21 Uhr Marie sich zurückzieht.
    
    In dem Moment, in dem sie das Zimmer verlässt, blicken wir uns mit Beatrice an. Ich begehre sie, aber für sie steht etwas anderes im Mittelpunkt, das merke ich sofort. Meine erotischen Gedanken müssen vorerst im Hintergrund bleiben.
    
    "Da sehe ich eine leichte Welle der Veränderung in dir, Beatrice."
    
    Als ob dies ein Startschuss wäre, beginnt sie zu reden. Über die Tage nach unserem Abschied, das Packen, die Vorbereitungen, die Reisen hierhin und dahin. Die plötzlich notwendig gewordene Operation, das absehbare Ableben ihres Mannes, ihr psychischer Absturz und unsere Ankunft. Sie erzählt nicht die Ereignisse, sondern deren emotionale Abbildungen in ihrer Seele.
    
    Sie verändert sich und wird sich noch verändern. Sie stimmt meiner These über unsere Lebenspfade überein und dankt mir lachend, dass ich ihr Angebot nicht ...
    ... angenommen habe. Wir beginnen eine angenehme Diskussion über den Sinn des Lebens, die über fünf Stunden geht.
    
    Den Inhalt hier wiederzugeben, wäre eine totale Themaverfehlung. Nur so viel: Wir trinken dabei zwei Flaschen Wein und ich stelle fest, dass auch ihre Ausstrahlung sich gewandelt hat. Sie wirkt frei und offen, befreit und bereit für Neues. Als wäre sie ein zweites Mal auf die Welt gekommen. Beneidenswert.
    
    Begehrenswert! Je mehr Wein, desto mehr Lust. So lautet meine Formel. Aber ich muss mich zurückhalten. Sie hat jemanden kürzlich verloren, sie hat fast sich selbst verloren. Da gehört es sich nicht, sie anzumachen. Ich glaube, sie merkt meine Qual. Ich blicke andauernd ihren Körper an. Sie sitzt 5-6 Meter weit weg in einem Sessel, es ist nicht so auffällig, wenn ich ihre Beine oder ihre Brüste anstarre. Es kocht in mir. Gegen 2 Uhr bedankt sie sich für das Gespräch und geht auf ihr Zimmer.
    
    Ich beobachte noch eine Weile die Lichtpunkte am Strand und leere mein Glas. Dann atme ich tief durch und gehe voller Selbstmitleid ebenfalls in das obere Stockwerk. Dort muss ich an Maries Zimmer vorbei und... bleibe stehen. Mir fällt ein, was mir Marie heute angeboten hat. Ob sie das ernst gemeint hat? Meine leichte Trunkenheit verscheucht meine Bedenken. Was ich mich vorhin mit der einen Frau nicht getraut habe, das will ich mit der anderen nachholen.
    
    Ich höre mein Herz klopfen, so wild, dass es mich von innen förmlich zerreißen will. Die Aufregung, etwas Verbotenes zu tun. ...
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