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Quarantäne in Kapstadt
Datum: 17.04.2020, Kategorien: 1 auf 1,
... ausgekratzt." Ich schaue verblüfft. "Ja, genau. Ich, Seitensprung, wäre ausgerastet, wenn ich mitbekomme, dass da noch ein Seitensprung ist. Aber ich habe gelernt, dass man Männer nicht besitzen kann." Mein skeptischer Gesichtsausdruck lässt sie hinzufügen: "Der Lernprozess ist wahrscheinlich noch nicht abgeschlossen." "Aber ich denke, da bist du weiter, als ich mit meiner Zielsetzung, dass ich Frauen verstehen will." Marie lacht auf. "Ich sage dir mal etwas. Ich habe ja nichts zu verlieren, bin ja schon total bloßgestellt, durchgefickt. Also: Wir Frauen verstehen uns selbst nicht und es wird mit zunehmendem Alter nicht besser. Wir lernen nur höchstens, damit zu leben und zu..." Sie eröffnet einen Monolog, dem ich nicht mehr vollständig folgen kann, weil mich andere Fragen ablenken. Werden bei viel Sex alle so philosophisch? Als ob die große Anspannung einer sexuellen Erregung gefolgt von der großen Erlösung eines Orgasmus unser Hirn säubern würde, befreien von allen beeinträchtigenden Sorgen, sodass am Ende Platz ist für die wirklich wichtigen Gedanken. Interessant zu sehen, was diese wichtigen Gedanken sein können. Nach ungefähr einer halben Stunde beendet Marie den kleinen Ausflug in ihre Vorstellungen und Überlegungen. Sie geht ins Bad und ich mache mich auf die Suche nach Beatrice. Ich finde sie auf dem Dach. Es ist ein bisschen bewölkt, aber angenehme 20 Grad. Beatrice steht wie eine Säule und blickt hinaus Richtung Meer. Als sie mich ...
... bemerkt, redet sie sofort los. "Irgendwie fühle ich mich durch eure Quarantäne eingesperrt, aber ich genieße auch zugleich diese Auszeit. Man müsste öfter mal so entschleunigen." Es muss heute etwas in der Luft sein, dass beide so viel vor sich hin sinnen. "Ich habe noch nie so viel nachgedacht wie hier. Übrigens, ich habe eine neue Erklärung für meine... ähm... Kurzschlussreaktion." Neugierig hebe ich meine Augenbraue, was sie zufrieden zur Kenntnis nimmt. Ein klares Signal, dass ich mich für sie interessiere -- sollte sie eventuell daran zweifeln. "Ich nenne es Kapitulation vor der Leichtigkeit des Seins." Wieder höre ich mir einen fast zweistündigen Vortrag über die Seelenwelt einer Frau an. Nein, ich bin nicht gelangweilt. Dieser Tag ist wohl so ein Tag. Später macht uns Marie das Mittagessen. Danach geht Beatrice auf einen großen Spaziergang. Der Nachmittag verläuft ruhig. Es wird gelesen und ausnahmsweise nicht gesexelt. Später fällt mir ein, dass ich auch etwas tun muss, um nicht das Wohlwollen der beiden zu verlieren. Ich schnappe mir den Staubsauger und danach den Wischmopp und mache alle bewohnten Räume sauber. Die Haushälterin darf ja wegen unserer Quarantäne nicht ins Haus, sie lädt nur jeden Tag Lebensmittel vor der Haustür ab. *~*~*~* Beatrice ist gegen 18 Uhr zurück. Sie hat Wein und Likör gekauft, wofür sie ziemlich viel laufen musste, weil im nahen Supermarkt kein Alkohol zu haben ist. Beim Abendessen muss Marie ihre Eindrücke ...