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Kumiho Na-Ri 02
Datum: 11.10.2023, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,
... sprang von ihm herunter. „SOFORT!" Er nahm sich nicht die Zeit, sich anzukleiden. Nackt wie er war, rannte er aus dem Zimmer, kaum dass er sich seine Sachen gegriffen hatte. Aber er war ganz gewiss froh, dass er noch lebte. Yun schloss ihre Augen und folgte dem Ruf in die Geisterwelt. Wer immer das gewesen war, sollte einen wirklich sehr guten Grund für diese Unterbrechung haben. Der Schock kam, als sie erkannte wer sie so unliebsam und schmerzhaft gerufen hatte. „Nu-Ri? Was ist?" „Nenn mich Na-Ri, zurzeit ist das mein Name. Yun, ich wurde geköpft!" Yun bleckte ihre Zähne. Ihre ältere Schwester hatte tatsächlich einen sehr guten Grund gehabt, sie zu stören. Beinahe der Einzige, der so eine Kontaktaufnahme entschuldigte. Vor allem in solchen Momenten. Doch ihre Wut wurde nicht geringer, im Gegenteil. Gefährlich begann ihr Fell zu qualmen. Wenn sie nicht aufpasste, würde sie in Flammen aufgehen und hier alles in Brand stecken. Mühsam mahnte sie sich zur Ruhe. „Wer hat es gewagt? Und wie gelang es ihm?" Die Antwort strömte in einer Folge von Bildern und Eindrücken auf Yun ein. „Gut, ich komme!" Die schmerzhafte Verbindung brach ab. Yun sprang aufs Bett und verwandelte sich zurück, in ein Mädchen von scheinbar kaum 20 Jahren. Allerdings war sie keine 20 Jahre alt. Sie hatte weit mehr als 700 Winter erlebt, und würde bald ihren achten Schwanz erhalten. Ihre Macht würde wachsen, aber auch ihr Hunger. Noch immer ...
... leuchteten ihre Augen gefährlich blau auf. Es spielte keine Rolle mehr, dass ihre Mahlzeit unterbrochen wurde. Sie würde sich erneut auf die Jagd begeben, und diesmal auch töten. Und zwar mit Genuss töten! Hätte der junge Mann von eben, ihr jetziges Gesicht gesehen, er hätte sich nicht mehr nach seinen Kleidern gebückt, sondern wäre gleich nackt aus dem Fenster gesprungen. Selbst der Anblick eines dämonischen Fuchses, mit blau leuchtenden Augen, übertraf nicht dieses mordlüsterne Grinsen im Gesicht dieses bildhübschen Mädchens. * * * Irgendwann stolperte De-Yong nur noch vorwärts. Das Mondlicht beleuchtete die Straße nur schwach, aber sein zwang weiter zu gehen, trieb ihn voran. Müde, so müde. War er tatsächlich so weit gelaufen? Würden seine Männer noch leben? Und wo war Na-Ris Körper begraben? Erschöpft brach er zusammen. „Weiter!" „Was?" Verwirrt blickte er sich um. „Ist hier wer?" „Nur noch ein kurzes Stück!" Es war keine Stimme gewesen, die laut gesprochen hatte. Eigentlich war überhaupt nicht gesprochen worden. Es war eine Stimme in seinem Kopf. „Na-Ri?" „Ah, endlich hörst du auch mal zu!" De-Yong schüttelte seinen Kopf. Es war die Erschöpfung, ganz sicher. Langsam rollte er sich auf die Seite, richtete sich mühsam etwas auf, und kroch an den Rand des Weges, wo er sich an einen Baumstamm lehnte, seine Arme um sich gelegt und die Knie angezogen. Die Nacht war kühl geworden. „Na De-Yong, reiß dich zusammen und hör mir ...