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Kumiho Na-Ri 02
Datum: 11.10.2023, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,
... Der kopflose Leichnam half, die Klappe zu tarnen, denn kein Samurai würde gewillt sein, den zu berühren. Die ständigen Kontrollen raubten ihnen mehr Zeit, als der Weg selbst. Und noch immer waren es mindestens drei Tage bis zur Hauptstadt, wenn sie nicht bald ein Boot fanden. Wieder hatten sie einen Kontrollpunkt erreicht. „Halt!", rief ein Japaner in schlechtem Koreanisch. „Kontrolle! Wo wollt ihr hin?" „Wir sind Mönche vom Kloster Punju und müssen diesen Leichnam zum Tempel in die Hauptstadt bringen!" Cha-He hätte den Text ihrer ausgedachten Geschichte mittlerweile im Schlaf aufsagen können. Längst durchfuhr sie kein Schreck mehr, wenn sie auf einen Kontrollposten stießen. „Warum?", fragte der Japaner neugierig. „Deckt die Leiche auf, ich will sie sehen!" Routiniert nickte Cha-He nur zu Yoshimoto, dass er die Leiche auspackte, während Ju-Won einem anderen Japaner ihre Papiere zur Kontrolle reichte. „Bei allen Geistern, die Leiche ist kopflos, und oben glatt vernarbt!", entfuhr es dem erschrockenen Dolmetscher. Auch diese Reaktion war nicht überraschend. „Genau deshalb muss sie in den Tempel. Ein böser Geist war in den Körper dieser Frau gefahren. Und nur der oberste Priester kann ihn bannen, damit wir nicht mehr behelligt werden können." „Und wo ist der Kopf hin? Müsstet ihr den nicht dafür dabei haben?" „Eigentlich schon, doch der Kopf ist von übereifrigen Bauern verbrannt worden, welche diesen Dämon gestellt hatten. Doch der Dämon ...
... ist in den Körper geschlüpft und droht nun, frei zu werden, wenn dieser Körper auch verbrannt wird, ohne dass der Dämon zurück in die Unterwelt geschickt wurde. Aber weil es so ein mächtiger Dämon ist, kann das nur der Priester im Haupttempel!" Unwillkürlich trat der Dolmetscher zurück. Er übersetzte seinen Kameraden, was Cha-He ihm erklärt hatte. Die Gesichter der Samurai offenbarten Besorgnis und abergläubische Furcht. Wenn es gegen Geister und Dämonen ging, waren ihre Waffen nahezu nutzlos. Die Papiere wurden ihnen zurückgegeben. „Seht zu, dass ihr schnell weiter zieht! Wenn es dunkel wird, möchten wir euch nicht in der Nähe wissen!", befahl der Dolmetscher. Auch das war eine übliche Reaktion, und völlig verständlich. Die falschen Mönche bedankten sich, liefen eilig mit dem Karren um die nächste Kurve und außer Sicht, wo sie dann wieder ein etwas gemächlicheres Tempo verfielen. Der Weg war schließlich noch lang, und Yoshimoto solche Anstrengungen nicht gewöhnt. Plötzlich zeigte Ju-Won zum Fluss hinunter. Nicht weit vor ihnen lag ein Boot am Ufer, welches groß genug schien. Mit neuer Energie eilten sie dorthin. Dort angekommen trafen sie zwei Männer an, welchen das Boot offensichtlich gehörte. Es schienen Händler zu sein, und sie hatten sich für den Abend einen Rastplatz gesucht, um die gefährlichen Flussabschnitte nicht in der Nacht zu übersehen. Als sie die vermeintlichen Mönche erblickten, erhoben sie sich und begrüßten sie. „Wir brauchen euer ...