1. Kumiho Na-Ri 02


    Datum: 11.10.2023, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,

    ... bedacht, von den spitzen Zähnen des Schädels fernzubleiben. Mit ihrem Blut wollte sie den Dämon keinesfalls stärken.
    
    * * *
    
    Nein, Miyahara San, ich habe zu keinem Zeitpunkt euren Namen genannt! Und ich habe auch sonst zu niemanden darüber gesprochen!"
    
    Mit vor Schmerzen verzehrtem Gesicht blickte der Mann Taka an.
    
    „Argh!"
    
    Der Samurai von Takas Leibwache hatte das Seil fester gezogen, und die Finger, zwischen die scharfkantige Bambusstäbe gesteckt waren, wurden weiter schmerzhaft zusammengepresst. Blut tropfte aus den gefesselten Händen des Dolmetschers.
    
    „Lüge!", antwortete Taka aufgebracht. „Mir wurde von Zeugen anderes berichtet!"
    
    Die halbe Nacht verbrachten sie hier nun schon in einem Stall, wo sie den Unterhändler vom Nachmittag scharf verhörten. Doch trotz Folter hatte er sich zu keinem Zeitpunkt widersprochen. Entweder war es ein ausgezeichneter Lügner oder er sprach die Wahrheit. Langsam glaubte Taka an Letzteres.
    
    Er gab ein Zeichen, die Schnürung etwas zu lösen.
    
    „Beschreibe mir noch einmal die Frau, welche dich angeblich überboten hat!"
    
    Stocken wiederholte der Mann, was sich zugetragen hatte, und beschrieb die Frau so gut wie möglich. Pure Todesangst war in sein Gesicht geschrieben.
    
    Nachdenklich ging Taka einige Schritte im Stall hin und her, beachtete den wimmernden Mann nicht weiter. Woher hatte der Kräuterhändler Takas Namen her haben können? War es vielleicht doch der Gesuchte? Die Frau sagte Taka ebenfalls nichts. Er war ihr ...
    ... noch nicht begegnet. Die Miko konnte es kaum sein, die wäre in ihrer rituellen Kleidung leicht zu identifizieren gewesen.
    
    Blieb also nur, dass Kazuki gelogen hatte, um den eigentlichen Spion bei Taka zu decken. Das bedeutete, dass er niemanden seiner Männer mehr trauen konnte.
    
    „Du kannst gehen!", sagte er zum Gefangenen, der überrascht aufsah. Der hatte bereits mit seinem Tod gerechnet.
    
    „Bindet ihn los und gebt ihm ein Silberstück!", befahl Taka. „Und du", wandte er sich abermals an den Gefangenen, „bewahrst Stillschweigen über unser Gespräch, sonst wird man deine kopflose Leiche im nächsten Fluss treibend sehen!"
    
    Überglücklich nickte der Mann, griff nach der Münze, welche vor ihn in den Staub geworfen wurde und verschwand so schnell wie möglich.
    
    Taka überlegte, was er nun tun konnte. Der Priester war unantastbar. Ihn einfach zu ermorden würde ihn den Zorn des Daimyos bescheren, außerdem den Kopf nicht wieder in seinen Besitz bringen.
    
    Und wenn er das Kraut des Priesters stahl?
    
    Taka war kein Dieb. Eine solch unehrenhafte Tat konnte er nicht begehen. Es war wirklich zu dumm, dass er so weit von zu Hause entfernt war, wo es bekannte Diebe gab, die so etwas für einen erledigen konnten.
    
    Der verfluchte Priester hatte diese Schlacht wohl gewonnen. Nun, noch war der Kopf nicht auf dem Weg zum Daimyo. Wenn die Armee weiter zog, konnte General Sakuraba nicht einfach in die Hauptstadt reisen, um den Kopf zu überreichen. Möglicherweise war noch nicht alles ...
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