1. Onkel Roberts Tagebuch


    Datum: 13.04.2026, Kategorien: Voyeurismus / Exhibitionismus

    ... Geschichte.“
    
    Ihre Stimme trug fast ein Lächeln, aber es war traurig, nachdenklich.
    
    „Er brachte mich hierher. Auf diesen Hof. Gab mir zu essen, zu trinken. Es wurde spät – und er bot mir an, zusammen mit Luc in der kleinen Kammer zu schlafen, in der heute Luc sein Bett hat. Er sagte, morgen sehen wir weiter.“
    
    Ich konnte mir die Szene vorstellen: ein abgelegener Hof, die Nacht bricht herein, die Dunkelheit schützt, aber es gibt keine Sicherheit außer der kleinen Geste dieses Mannes.
    
    „Aus diesem ‚morgen‘ wurden Wochen. Und irgendwann … beschlossen wir zu heiraten. Es war keine große Liebe – nicht am Anfang. Aber Jean war gut zu mir. Und zu Luc. Ein besserer Vater, als ich je zu hoffen gewagt hätte.“
    
    Ich hörte sie atmen, leise, ruhig. Der Mond warf silbrige Streifen durch das Fenster, ihr Gesicht lag teilweise im Schatten. Ich spürte, dass ihre Stimme Vertrauen verlangt, und doch ist sie vorsichtig.
    
    „Dann haben sie ihn geholt. Die Männer aus dem Dorf sagten, es sei Arbeit für Deutschland. Ich glaube niemandem. Ich weiß nicht mal, ob er noch lebt.“
    
    Ein kurzer Atemzug, dann flüsterte sie fast: „Vielleicht hat Luc deshalb geschossen. Aus Wut. Aus Angst. Aus allem zusammen.“
    
    Ich lag still, meine Gedanken kreisten. Alles, was ich über sie bisher wusste, war die Frau auf diesem Hof, stark, gefasst, inmitten von Arbeit und Verantwortung. Aber jetzt sehe ich ihr Leben – die Jahre voller Gewalt, Angst und Entscheidungen, die sie treffen musste, um zu überleben. ...
    ... Und ich wusste, warum sie mir geholfen hatte.
    
    Sie schob das Kissen zurecht, atmete tief aus und sagt leise: „Es war ein langer, schwerer Tag … für uns beide. Wir sollten jetzt schlafen.“
    
    Ich schloss die Augen und spürte die Ruhe, die langsam einkehrte. Doch in meinem Kopf war alles noch lebendig: ihre Worte, ihre Stimme, die Bilder ihrer Vergangenheit. Es ist, als ob ich ein Stück von ihr mit mir trug, während ich mich in die Decke kuschelte.
    
    Die Nacht lag still über dem Hof. Ich fühlte die Verletzung in meinem Oberschenkel, den dumpfen Schmerz, der mich erinnerte, dass ich noch hier war, dass ich überleben musste. Und doch war etwas anderes in mir erwacht – ein Bewusstsein für Menschen, für ihr Leben, ihr Leid, ihre Entscheidungen. Ich hatte noch nie so viel Nähe und so viel Geschichte auf einmal erfahren.
    
    Ich schlief ein, während ihre Worte noch nachklangen. Die Nacht war still, nur das ferne Stampfen der Tiere im Stall und das leise Rauschen der Blätter drang an mein Ohr. Der Schmerz im Oberschenkel war dumpfer geworden, fast zu ertragen, und doch erinnerte er mich daran, dass ich hier verletzlich war, ganz auf sie angewiesen.
    
    Irgendwann – wie lange es gewesen sein mag, wusste ich nicht – wurde ich wach. Ein Geräusch hatte mich geweckt. Es war so leise, dass ich mir zunächst nicht sicher war, ob ich es geträumt hatte: ein leises, gleichmäßiges Rieseln, das durch die Stille des Zimmers fast unnatürlich wirkte. Mein Herz schlug schneller. Ich hielt den Atem an ...