1. Jessica, die entfesselte Ballkünstlerin!


    Datum: 05.05.2026, Kategorien: Schamsituation

    ... doch ins Knie!'
    
    Zwischendurch vibrierte mein Smartphone, was ich ignorierte. Vermutlich war es wieder nur Felix, der mir seit Freitag schon 16 Whatsapp-Nachrichten geschickt hatte, die ich alle unbeantwortet gelassen hatte. Um ehrlich zu sein, hatte ich sie nicht einmal gelesen. Dann kam endlich der Bus. Zu Hause angekommen, wunderte ich mich – der Van meiner Eltern war nicht da. Ich betrat das Haus, es war leer. Doch auf dem Wohnzimmertisch lag ein handgeschriebener Zettel, daneben lagen drei Hunderter. Ich faltete ihn auf und begann zu lesen:
    
    »Liebe Jessica! Ich schreibe Dir, weil ich Dich nicht erreichen konnte, Du gehst nicht an Dein Telefon. Jessica, es tut mir unendlich leid – mein Vater ist heute gestorben. Er hatte früh morgens einen Herzinfarkt und wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Ambulante Herzzentrum Kassel geflogen. Dort verstarb er um 11:07 Uhr auf der Intensivstation! Papa und ich haben uns eine Pension genommen, wir bleiben die Woche über in Kassel, um alles Nötige in die Wege zu leiten! Du weißt ja, daß Opa Josef gerne unter dem Lindenbaum neben seiner Frau bestattet werden wollte – und diesen Wunsch wollen Papa und ich ihm gern erfüllen! Jessica, der Kühlschrank ist voll, Getränke sind reichlich vorhanden, Du kommst die Woche bestimmt ohne uns aus. Für den Fall, daß Du dringend Geld brauchst, habe ich Dir 300 € auf den Tisch gelegt. Bitte melde Dich! In Liebe, Deine Mama!«
    
    Ich bekam einen hysterischen Lachanfall, ich prustete und kicherte ...
    ... bestimmt drei Minuten ausgelassen vor mich hin, bis ich mich wieder beruhigte. Es mag paradox klingen, aber das war im Moment das beste, was mir passieren konnte – ich wollte einfach nur alleine sein! Ich schloß die Haustür ab, verrammelte alle Fenster und checkte den Kühlschrank. Zwei Flaschen Ramazotti lachten mich an – sehr schön! Ich schnappte mir eine Flasche, bewaffnete mich mit Eiswürfeln und einem Likörglas, dann verbarrikadierte ich mich in meinem Zimmer.
    
    Dann schrieb ich eine Whatsapp an Mama: »Liebe Mama, mein Beileid! Ich habe Opa Josef ja nur selten gesehen, aber er war immer lieb zu mir. Kümmert euch um die nötigen Dinge, ich komme schon klar – schließlich bin ich Dein großes Mädchen, wie Du immer sagst! Meldet euch, wenn es Neuigkeiten gibt. Ich liebe Dich auch – Deine Tochter!« Daß ich heute entlassen wurde, verschwieg ich vorerst, das konnte man immer noch zu einem besser geeigneten Zeitpunkt thematisieren.
    
    Jetzt warf ich einen kurzen Blick auf Felix' Whatsapp-Nachrichten, es war alles mehr oder weniger dasselbe Gestammel: »Jessica, es tut mir leid ... Jessica, melde Dich bitte ... Wo bist Du? ... Ich mache mir Sorgen um Dich! ... Kommst Du Mittwoch wieder zum Training? ... Jessica, ich liebe Dich!« Felix liebte mich also – ja nee, is' klar – dieser verdammte Heuchler!
    
    In der letzten Mitteilung tippte ich unten auf "Nachricht" und antwortete ihm – nur zwei Worte: »FICK DICH!« Dann sperrte ich seine Nummer und löschte den Kontakt! Verdammt! Mindestens ...