1. Demonstration


    Datum: 05.06.2026, Kategorien: Schamsituation

    ... griffen mich nun an den Oberarmen und stellten mich wieder auf die Beine. Mit zunehmender Panik blickte ich um mich. Vom nach wie vor tobenden Straßenkampf befanden wir uns ein Stück entfernt, ich war doch immerhin einige Meter weit gekommen. Um die beiden Polizisten und mich hatte sich ein Kreis von Passanten gebildet, die die Vorgänge interessiert beobachteten.
    
    Neben mir lag ein bunter Fetzen Stoff im Dreck auf dem Boden, das war einmal mein Rock gewesen. Instinktiv versuchte ich, meinen Schoß mit den Händen zu bedecken, aber die Handschellen verhinderten das. Untenrum stand ich völlig entblößt da, und es gab nichts, was ich dagegen unternehmen konnte. Jedem der Anwesenden war es vergönnt, mich in meiner misslichen Lage genüsslich anzugaffen, oder sogar das Smartphone zu zücken, um ein paar Erinnerungsfotos zu knipsen. Ruckartig senkte ich den Blick, um ja nicht in die Augen eines anderen Menschen blicken zu müssen.
    
    Gefesselt! Das Wort rauschte durch mein Bewusstsein wie ein Schnellzug. Ich war tatsächlich gefesselt. Hilflos. Entblößt. Und all das mitten in der Öffentlichkeit. Wiederum riss ich an den Handschellen, und wiederum hielten sie meinem Befreiungsversuch mühelos stand.
    
    „Wir bringen sie zu Frank“, sagte der erste Polizist. „Soll sie sich ruhig mal ansehen, was sie da angerichtet hat.“
    
    „Wo ist der denn?“, wollte der zweite Polizist wissen.
    
    „Da drüben in der Wanne, in der 45-14.“ Als „Wanne“ werden in Berlin die Einsatzfahrzeuge bezeichnet, die ...
    ... vor allem bei Demonstrationen Verwendung finden. Sie griffen mich wieder an den Oberarmen und begannen, mich abzuführen.
    
    „Halt!“, rief ich. „Ich brauche meinen Rock!“
    
    „Das Einzige, was du jetzt brauchst, ist ein guter Anwalt“, knurrte der zweite Polizist. Der traurige Überrest meines Rocks blieb im Rinnstein an der Verkehrsinsel liegen.
    
    Wir kamen nur quälend langsam voran. Mit den Fußfesseln konnte ich nur sehr kurze Schritte machen, da sie von der Kette zwischen den Schellen, die um meine Fußgelenke geschlossen waren, arg begrenzt wurden. Das Schneckentempo ermöglichte es zahlreichen weiteren Berlinern, den einen oder anderen Blick auf meine Blöße zu werfen.
    
    „Nehmen Sie mir doch bitte die Fesseln ab“, jammerte ich. „Ich komme ja mit, aber bitte, bitte ohne Fesseln! Das ist alles so demütigend!“
    
    „Das hättest du dir überlegen sollen, bevor du einen Beamten mit einem Stein attackierst“, erhielt ich als Antwort.
    
    „Damit habe ich doch überhaupt nichts zu tun! Ich war das nicht!“
    
    „Ja, ist klar. Nie hat irgendjemand mit irgendwas zu tun. Das hören wir irgendwie öfter.“
    
    Nach einer kleinen Ewigkeit erreichten wir einen altgedienten Mercedes-Transporter der Polizei, mit Gittern vor den Fenstern. Das Blech war mit Dellen übersät, der Wagen war eindeutig schon bei vielen Demonstrationen zum Einsatz gekommen.
    
    Sie öffneten die hintere Tür und forderten mich auf einzusteigen. Das fiel mir aufgrund meiner Hand- und Fußschellen allerdings recht schwer. Dem ersten ...
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