1. Die Geschichte der Maya Klein 12


    Datum: 13.08.2026, Kategorien: Romane und Novellen,

    ... strich der Kleinen über ihren Kopf und zwinkerte ihr zu. „Wie heißt du denn?“
    
    „Madita!“, antwortete die Kleine. „Ich fahre schon allein mit der Bahn. Vier Stationen weit.“
    
    „Wow! Du bist ein sehr mutiges Mädchen. Wüsste ich nicht, ob ich mich das in deinem Alter getraut hätte.“
    
    „Du bist Superwoman!“, stellte Madita fest. „Ich habe dich im Fernsehen gesehen.“
    
    „Da gehört noch ein wenig mehr dazu, als groß zu sein, findest du nicht?“
    
    Die Kleine schüttelte ihren Kopf. „Mir würde das reichen.“
    
    Maya lachte. „Ich habe eine Freundin, die nur ein paar Jahre älter ist als du. Ich war letztens bei ihr auf der Geburtstagsfeier. Hat mir sehr viel Spaß gemacht.“
    
    „Würdest du auch zu meiner kommen?“, fragte die Kleine hoffnungsvoll.
    
    Maya ahnte jetzt, was sie angerichtet hatte. „Das wird leider nicht gehen, Schatz. Ich kann dich super leiden, aber ich habe wenig Zeit und viele Freunde. Sie sind traurig, weil ich sie nicht oft besuchen komme, verstehst du? Ich möchte nicht, dass du auch noch traurig wirst.“
    
    Die Riesin lächelte, sah sich um, damit sie mit niemandem der Fahrgäste zusammenstieß und machte sich vor dem Mädchen klein. „Wenn du mich das nächste Mal triffst, sprichst du mich an und wir gehen ein Eis essen. Oder ich sage dir, wann wir das machen, okay?“
    
    „Du versprichst es mir?“
    
    Maya nickte. „Das tue ich. Du musst dann aber vorher deine Eltern fragen. Hast du schon ein Handy?“
    
    Die Kleine nickte.
    
    „Gut, mein Schatz. Verpass deine Station nicht, ...
    ... einverstanden?“, bat Maya.
    
    „Ich habe dich lieb!“, meinte das Mädchen und umarmte Mayas linken Arm.
    
    „Du bist ein echtes Zuckerstück. Pass auf dich auf, ja?“
    
    Die Kleine nickte ihr zu, lief zum Ausgang und wandte sich noch mal zu Maya um und winkte. Die winkte zurück und freute sich, dass sie der Kleinen eine Freude machen konnte. Sie wunderte sich selbst. Es kam immer wieder auf die Situation und die Begegnung an, ob sie genervt reagierte oder nicht.
    
    „Entschuldige Maya! Lässt du mich vorbei?“, fragte ein älterer Herr vorsichtig.
    
    „Äh...“, sie stand auf und ließ den Mann passieren, „... tut mir leid.“
    
    „Warum? Du hast hier allen Menschen ein Lächeln in die Gesichter gezaubert. Bist eine tolle Frau!“ Mit diesen Worten stieg der Mann aus, doch Maya wurde nur rot und sah sich verlegen um. In diesem Moment war sie froh, dass sie an der nächsten Haltestelle aussteigen konnte.
    
    Sölde! Sie fand diesen Teil von Dortmund wirklich schmuck und neidete Manfred seine Wohnung. Längst hatte sie sich Gedanken darüber gemacht, wo sie wohnen wollte. Ein Jahr noch! Sie würde dann so schnell wie möglich auf eigenen Füßen stehen wollen. Nicht weil sie sich zu Hause nicht wohl fühlte, sondern weil sie sich darauf freute, ihr eigenes Leben ab diesem Zeitpunkt selbst gestalten zu dürfen. Im Grunde genommen hatten ihre Eltern ja schon längst damit begonnen, sie in dieser Richtung gewähren zu lassen.
    
    Sie ging durch die Straßen und klammerte die Umgebung für sich völlig aus. Sie mied ...
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