1. Giannis Traum


    Datum: 16.08.2026, Kategorien: Sci-Fi & Fantasy,

    ... Mütze gestrickt, die Sonne ist zu gefährlich, und er ist ja auch noch blond."
    
    „Vielen lieben Dank, Signora! Ich hoffe, Sie bleiben zum Kaffee. Paola hat Kuchen gebacken." „Sehr gerne, sie ist ja eine Meisterin darin." Eine Frage lässt mich schon die ganze Zeit nicht los, in der wir hier wohnen, auch wegen des Traums, an den ich immer noch denken muss. „Was ist mit der anderen Haushälfte passiert, warum steht sie leer?"
    
    „Hier haben bis Ende der neunzehnhundertfünfziger Jahre entfernte Verwandte von mir gewohnt, mit ihrer Tochter Maria. Sie war sehr hübsch, aber nicht besonders beliebt. Ziemlich eigenwillig und egoistisch, und vor Allem, sie hatte einen unehelichen Sohn, Ivan, von einem italienischen Besatzungssoldaten, wie man munkelte. Ivan war sehr hübsch mit blonden Haaren und ist mit mir zur Schule gegangen. Ich war total verliebt in ihn."
    
    „Was ist aus ihnen geworden?" „Als die Eltern gestorben sind, ist Maria mit Ivan in die USA ausgewandert, seitdem steht das Haus leer." „Wissen Sie, was mit dem Soldaten passiert ist?" „Er war plötzlich verschwunden, keiner weiß was aus ihm geworden ist. Zu jener Zeit gab es wohl heftige Kämpfe hier, da war man froh, selbst mit heiler Haut davon zu kommen. Maria hat ihm eine Zeit lang nachgetrauert, dann kam das Baby. Es war eine richtige Affenliebe, sie hat Ivan vergöttert und ...
    ... nicht aus den Augen gelassen."
    
    „Ist Maria nie wieder zurückgekehrt?" „Doch, aber nur ein Mal. Sie ist nach Kalifornien gezogen und hat auf einem Weingut gearbeitet, das sie später übernommen hat und sie hat dort sehr viel Geld verdient. Sie ist im Jahr zweitausend gestorben und ihr letzter Wille war, hier auf dem Friedhof beigesetzt zu werden. John, wie sich Ivan jetzt nennt, ist übrigens hier, mit seinem Enkel. Er will ihm zeigen, wo seine Wurzeln sind. Sie haben mich heute Morgen besucht."
    
    Nachdem sich die Nachbarin verabschiedet hat, drehen wir noch eine Runde mit dem Kinderwagen durch das Dorf, vor der Kirche steht ein riesiger schwarzer Cadillac SUV mit amerikanischen Kennzeichen. „Der stand heute Morgen bei uns vor dem Haus, zwei Männer haben es sich angesehen", sagt Paola, „da hinten stehen sie."
    
    Vor einem Grab stehen die zwei Männer mit Blumen in den Händen, einer mit schneeweißen Haaren und sich auf einen Rollator stützend, daneben ein blonder Junge. Wir nähern uns und die Männer blicken uns freundlich entgegen, die Gesichtszüge des Älteren erinnern mich sofort an Maria. Er beugt sich über den Kinderwagen, in dem Mario tief schläft und sagt: „So sweet, is it a boy?" Paola strahlt ihn stolz an und antwortet: „Yes, his name is Mario." Ich, in Gedanken versunken füge kaum hörbar hinzu: „Vielleicht ist er dein Bruder." 
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