1. Ein Gülden Herz 06 - Lernen


    Datum: 05.10.2026, Kategorien: Sci-Fi & Fantasy,

    ... Kräuterpfad. Er begann wie ein normaler Pfad durch den Wald, abgesehen davon, dass gleich klar war, dass er kein Ziel hatte, sondern möglichst viel vom Wald erfassen sollte. Er schlängelte sich kreuz und quer durch das Unterholz, und manchmal konnte man ein paar Schritt weiter ein Stück des Pfades erkennen, auf dem man dann Minuten später erst in der entgegengesetzten Richtung spazierte.
    
    Und dann kam ein Teil des Waldes, der uns die Sprache verschlug: das war nicht nur ein Wald, das war eine Kräuter-Zucht. Die Kräuter wuchsen hier besonders kräftig, und nicht wild durcheinander. Die einzelnen Kräuter bildeten oft dicke Polster auf dem Waldboden und die Gerüche, die von ihnen aus gingen, konnten einem die Sinne vernebeln. Blühende Inseln, in allen möglichen Farben, grüne Wäldchen, die nur bis zu den Knöcheln gingen, oder bis über den Kopf und alles dazwischen. Und die Bäume, die vereinzelt darin standen, überdachten Alles mit ihren weit ausladenden Kronen. Wir fühlten uns wie in einer Kathedrale, wie wir sie uns in der Schule vorstellten.
    
    Emmi hielt immer wieder die Nase in die Luft und sog die Düfte in sich auf, oder roch gleich an einer Blüte, die ihr ein Busch oder Kraut hin hielt. Sie schien wie im siebten Himmel zu sein, und es wärmte mir das Herz, sie endlich wieder glücklich zu sehen.
    
    Dabei wurde uns aber eines klar: Emmis Sinne hatten sich geschärft. Sie hielt mir eine Blume hin, an der sie zuvor genüsslich geschnuppert hatte und danach davon schwärmte, ...
    ... wie toll sie roch. Doch für mich war da nichts. Bestenfalls ein leichter Geruch nach "Grünzeug", falls es so etwas gibt. Aber die Aromen, die Emmi wahrnahm, erkannte ich nicht. Sie schien die Düfte schon von weitem wahrnehmen zu können.
    
    Und auch ihr Gehör war besser als meins. "Ein Eichhörnchen!", Emmi sah in die Baumkronen, doch ich erkannte nichts. Erst als das kleine Pelzknäuel einen Baumstamm heruntergerannt kam, sah ich es. "Ich habe seine Krallen am Baumstamm kratzen gehört.", flüsterte mir Emmi erstaunt entgegen. Und dann freute sie sich erst recht: "Aaaaah, das ist so toll!". Sie wirbelte ein paar mal im Kreis, fiel mir dann schwindelig um den Hals und gab mir einen langen, innigen Kuss.
    
    Es war schwierig, Emmi danach noch zu überreden, dem Pfad weiter zu folgen, aber es gelang mir schließlich, sie neugierig zu machen, auf das was noch kommen könnte. Und was kam, ließ sie vor Freude aufschreien: "Ein See! Jakob komm, lass uns baden!". Sie wartete gar nicht erst auf eine Antwort, hüpfte schnell aus ihren Kleidern und rannte ins Wasser. Was blieb mir da übrig, als ihr zu folgen?
    
    Endlich wieder, wie früher als Kinder, in einem See planschen. Das gefiel auch mir. Aber schnell merkten wir, dass sich etwas geändert hatte. Zwar spritzten wir uns anfangs noch gegenseitig nass, doch ohne, dass wir es richtig merkten, ging das Planschen in eine Umarmung über. Aus der Umarmung wurde ein Kuss und dann noch viel mehr. Wir waren keine Kinder mehr, wir waren ein liebendes ...
«12...456...17»